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Kantinen-Liebe: 8 Betriebsrestaurants und Mensen, die (mindestens) einen Besuch wert sind

Ort der Geselligkeit oder des Grauens? Letztere Zeiten sind wohl ganz überwiegend vorbei: Kantinen haben sich gemausert. Längst stehen sie nicht mehr für Mief und maue Küche, sondern für günstige und komfortable Mittagsverpflegung. Als „emotionale Schaufenster der Unternehmenskultur“ bezeichnet gar Ernährungsforscherin und Food-Trend-Expertin Hanni Rützler heutige Betriebsgaststätten (Food Report 2019). Tatsächlich warten die Großrestaurants bisweilen sogar mit ganz besonderen Extras auf – wir haben uns mal umgesehen…

Viele erinnern sich gerne an ihre Studentenzeit zurück – aber sicherlich nicht wegen des Mensa-Essens. Für wenig Geld wird man in den 875 Mensen und Cafeterien an deutschen Hochschulen zwar satt, aber wer auf geschmackliche Highlights hofft, wird enttäuscht. Petra Martini, Leiterin der Uni-Mensa in Rostock und ausgebildete Spitzengastronomin, machte es sich vor sechs Jahren zur Aufgabe, diesen Zustand zu ändern – mit Erfolg: So gilt ihre Mensa als eine der besten des Landes und wurde bereits vom Studentenmagazin „Unicum“ mit dem Goldenen Tablett ausgezeichnet.
Dass ein Kantinenerlebnis rundum positiv sein kann, beweist unter anderem die Erste Group aus Wien. Küchenchef der innovativen Kantine ist kein geringerer als Michelin-Sternekoch Alfred Schoch.  Durch modernes Design und mit einer Showküche ausgestattet, lässt sich das Essen von dem in Spitzenrestaurants kaum unterscheiden. Nicht nur das Konzept von Gourmet-Kantinen, sondern auch optisch geht der Trend vermehrt in die Richtung, dass Betriebsrestaurants immer mehr hermachen. Ein Vorzeigeexemplar ist beispielsweise die Linde-Kantine in München-Pullach, die der bekannte Architekt Wolfgang Kergaßner 2006 neugestaltete.
Das Unternehmen SPENDIT AG hat mit ihrer App Lunchit die Essensmarke neu erfunden. Mitarbeiter müssen im Anschluss an ihr Mittagsessen einfach nur ihren Beleg mit der App abfotografieren. Diese Belege werden monatlich an die Buchhaltung weitergeleitet und der Mitarbeiter bekommt die Erstattung automatisch mit der Lohnabrechnung auf sein Konto überwiesen (bis zu 968 Euro netto im Jahr). Ganz einfach, ohne lästigen Papierkram und steuer- und sozialabgabenfrei macht das Konzept jeden Arbeitgeber noch attraktiver.
Spieglein, Spieglein an der Wand – welche ist die beste Kantine im ganzen Land? Um das herauszufinden hat Food & Health e.V. gemeinsam mit dem FOCUS Magazin einen bundesweiten Test gemacht und die 50 besten Betriebsrestaurants Deutschlands ermittelt. Als Erstplatzierte ging die des Automobilherstellers Audi hervor. Die Kantine am Unternehmenshauptsitz in Ingolstadt konnte die meisten Punkte einheimsen. Platz zwei und drei belegten das Engineering-Unternehmen Linde in Pullach und der Pharmakonzern Roche mit seiner Kantine in Penzberg.
In einem Wiener Bürokomplex findet sich die vom Betreiber Eurest selbsternannte „größte Kantine Europas“. Das „Quartier Sechs“ am Austria Campus beherbergt auf einem ganzen Hektar vier Restaurants und zwei Cafés, in denen bei Vollbetrieb bis zu 1.800 hungrige Gäste Platz nehmen können. Aber nicht nur die ansässigen Büroangestellten, sondern auch Leute von außerhalb dürfen hier speisen.
Im Silicon Valley locken große IT-Firmen ihre Mitarbeiter mit edlem und kostenlosem Essen – allen vorweg Google: Die Mitarbeiter des Suchmaschinenbetreibers müssen für ihr perfektes Mittagessen nicht lange nach Locations googlen, sondern einfach nur aus der Bürotür treten. Im Hauptquartier des Unternehmens im kalifornischen Mountain View können sie allein zwischen 18 Cafés mit unterschiedlichen Konzepten wählen – frisch, lecker und mit vielen gesunden Alternativen. Und das Beste: Der Arbeitgeber zahlt – yahoo!
Keine Zeit für die Mittagspause und oft bleibt als einzige Möglichkeit der Gang zum ungesunden Snackautomaten – wer kennt es nicht? Dieses Problem möchte das Start-Up „My Minute Meal“ ändern und bietet Büros mit dem „how I like“-Kühlschrank auf rund einem Quadratmeter eine eigene Kantine mit leckeren und gesunden Produkten – überwiegend bio und regional. Von frischen Salaten über Tomatensuppen bis hin zu Kokoswasser können sich Mitarbeiter hier ohne schlechtes Gewissen bedienen. Der Kühlschrank wird regelmäßig frisch aufgefüllt, bezahlen kann die hungrige Kundschaft ganz einfach per Kredit- oder EC-Karte oder mit dem Smartphone.
Von wegen, in der Kantine gibt‘s immer nur Schnitzel und Currywurst – hier jedenfalls nicht auf Fleisch-Basis: Tierische Zutaten sucht man in der „St. Paul Veggie Zone“ nämlich vergeblich. Die Mensa des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg serviert seit 2018 ausschließlich vegane Speisen, zwei Mittagsgerichte pro Tag, von Montag bis Donnerstag. Das kommt gut an: PETA belohnte die Einrichtung dafür mit vier Sternen und dem Spitzenplatz bei der Kür zur vegan-freundlichsten Mensa 2018.

… in Kantinen ist und bleibt – allen Gesundheitstrends zum Trotz – die Currywurst. Seit sage und schreibe 27 Jahren steht sie auf der Beliebtheitsskala zumindest in Deutschland unangefochten ganz oben. Das geht aus einer Erhebung des Caterers Apetito hervor.

 

Moment mal!

Die schönste, kleinste oder ulkigste Kantine fehlt? Nichts wie her damit! Das MPULSE.de-Team freut sich über Hinweise an mpulse@metro.de

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