Grenzen Bewegen

Von Quarantäne-Hotel bis Fußfessel: Über den Umgang mit der Pandemie weltweit

Wissen teilen, damit andere Gastronomen profitieren: Im Gastro-Live-Talk diskutierten Vanessa Vu, Redakteurin bei ZEIT Online, und Uwe Opocensky, Küchenchef im Restaurant Petrus in Hongkong, darüber, was die Gastronomie weltweit aus Corona lernen kann.

Ein Blick in die Welt in Zeiten von Covid-19 – so könnte man den Gastro-Live-Talk Anfang 2021 bezeichnen. In dem live aufgezeichneten Beitrag (weiter abrufbar unter www.facebook.com/rollingpin.co/live_videos) erzählte unter anderem Uwe Opocensky, wie er die bereits 4. Welle in Hongkong erlebt und wie das Restaurant, in dem er Küchenchef ist, sich durchschlägt. „Wir dürfen seit dem 6. Dezember nur über Mittag öffnen“, berichtet Opocensky. „Pro Tisch sind 2 Gäste erlaubt, bei maximal 50 % Gesamtauslastung. Unter den Umständen sind unsere Restaurants aber voll. Viele Leute arbeiten im Homeoffice und gehen mittags raus.“

Die Bürger von Hongkong hielten sich sehr genau an die von der Regierung aufgestellten Regeln, so der deutsche Küchenchef, der bereits seit vielen Jahren in Asien lebt und arbeitet. Alle tragen Maske; wer möchte (oder muss), könne sich kostenlos testen lassen. Auch die Mitarbeiter im Restaurant Petrus im Island Shangri-La in Hongkong, wie Opocensky erzählt: „Wir haben Tests, die schon nach 20 Minuten ein relativ sicheres Ergebnis anzeigen.“ Bei Veranstaltungen außerhalb des Restaurants werde die Belegschaft wöchentlich getestet. Auch der Staat sei bemüht, Ausbrüche möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen. Es gibt eine Website, auf der man sich genau informieren kann, in welchem Block – Hongkong ist eine sehr dicht besiedelte Stadt – es einen Ausbruch gibt. „Wenn Leute, die bei uns arbeiten, dort leben, werden wir umgehend informiert und die betreffenden Mitarbeiter dürfen 2 Wochen nicht zur Arbeit kommen. Und das wird sehr stark kontrolliert.“

Fußfesseln und spezielle Hotels für Quarantäne-Betroffene

Dass der Umgang mit den Einschränkungen durch die Pandemie in vielen Teilen Asiens, wie beispielsweise Taiwan, Vietnam oder eben Hongkong, anders läuft als in Europa, beobachtet auch Vanessa Vu, Redakteurin im Ressort X bei ZEIT Online. „In asiatischen Ländern geht man allgemein sehr streng mit Quarantäne um“, sagt sie. Die Betroffenen verbrächten die Wochen entweder in speziell für die Quarantäne zur Verfügung stehenden Hotels oder zu Hause mit Fußfessel, berichtet Vu. Ihrer Meinung nach wäre ein harter, solidarischer Lockdown von Anfang an besser gewesen. „Dieses Woche-für-Woche [in Europa] ist sehr zermürbend für Wirtschaft und Psyche“, so die Redakteurin mit vietnamesischen Wurzeln. Sie vergleicht das Vorgehen in Deutschland mit der Lage in Vietnam, wo sie Familie und Freunde hat.
 
„Vietnam gilt als Covid-free, sagt sie. Manchmal gäbe es noch Fälle am Flughafen, aber die Ausbrüche würden sehr schnell mit Massentestes und strenger Quarantäne unter Kontrolle gebracht. Auch werde in Vietnam an der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs gearbeitet. „Die Gastronomie hat geöffnet“, erzählt Vu. „Die Leute treffen sich in großen Gruppen, gehen ganz normal aus. Nur auf der Straße sind sie noch angehalten, Masken zu tragen, um eine generelle Sensibilität zu haben, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist.“

#WirSindGekommenUmZuBleiben ist in der Coronakrise aus unterschiedlichen Initiativen entstanden, die sich öffentlich für ein Ziel einsetzen: der Gastronomie eine Perspektive geben und für Unterstützung sorgen, um die Krise wirtschaftlich zu überleben. Seit Mai 2020 lud die Initiative – unterstützt durch das Fachmagazin Rolling Pin - Branchenexperten zur digitalen Gesprächsrunde. In Live-Schalten gaben bereits in 19 Sessions Fachleute und Betroffene Ratschläge fürs Durchalten in der Krise und Einblicke in den Gastro-Alltag in Coronazeiten. Themen waren unter anderem die Bedeutung der Impfung für die Gastronomie oder Tipps, um das Belieferungsgeschäft auf- und auszubauen.

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