Menschen Bewegen

Im Einsatz für Biene und Mensch

Sie bringen nur 1,2 Gramm auf die Waage, ihre Arbeit ist aber bedeutungsschwer für das Ökosystem und unsere Ernährung. Doch die Biene ist in Gefahr. Pestizide sowie die zunehmende Urbanisierung sind nur einige Gründe. Christian Krüger ist leidenschaftlicher Imker. Sein Auftrag: die Völkerverständigung zwischen Mensch und Biene.

Für Christian Krüger sind seine Bienen nicht einfach ein Hobby. Bienen zu halten, bedeutet für den 39-jährigen sich wirklich mit den Tieren auseinanderzusetzen. "Gesunde Bienenhaltung besteht nicht darin, ein paar Bienenvölker in den Garten oder auf einem blühenden Feld abzustellen und sich damit als Bienenretter zu fühlen," erklärt Krüger. Nicht nur Monokulturen, giftige Pestizide oder Strahlung seien große Gefahren für Bienenvölker, sagt er, sondern unbedarfte Hobby-Imker. In Deutschland gebe es Jagd- und Angelschein, bemängelt er, aber keine Prüfung für Imker. "Drei Wochen blühendes Erdbeerfeld sind für Bienen wie drei Wochen das immer gleiche Fast Food für uns Menschen. Wir sind danach nicht nur hochgradig übersättigt, sondern auch krank," erklärt Krüger.

Bienen sind nicht aggressiv oder gefährlich, sie setzen sich nicht auf Kuchenstücke oder Grillsteaks.

Christian Krüger
Christian Krüger

Christian Krüger imkert seit einigen Jahren. Seine Bienenvölker leben im artenreichen Mettmanner Naturschutzgebiet - und auch in acht Bienenstöcken auf dem Gelände des METRO Marktes in Krefeld. Dahin bringt der passionierte Imker seine Bienen im Frühsommer, um das Völkerverständnis zwischen Mensch und Biene zu fördern. "Bienen sind nicht aggressiv oder gefährlich, sie setzen sich nicht auf Kuchenstücke oder Grillsteaks", sagt er.

Zu viele Menschen verbinden genau dieses Verhalten mit Bienen - anstatt es ihren weniger angenehmen gelb-gestreiften Zeitgenossen, den Wespen, zuzuschreiben. "Wir arbeiten nicht nur gegen Vorurteile, wir wollen vor allem zeigen, wie Bienenhaltung richtig geht."

Seine Leidenschaft für Bienen steckt an: Viele  Mitarbeiter in Krefeld lassen sich in artgerechter Imkerei ausbilden, um sich um ihre neuen Kollegen kümmern zu können. Dazu ist eine Kooperation mit dem lokalen Imkerverein geplant. Im Dialog steht Krüger auch mit den lokalen und regionalen Bauern. Über 50 Quadratkilometer decken Honigbienen auf der Jagd nach schmackhaften Pollen ab. Die Bauern im Umkreis bieten den Bienen deswegen vielfältige grüne Flächen. "Damit errichten der Krefelder METRO Standort und die regionalen Bauern ein Ökosystem, von dem im Endeffekt nicht nur Bienen und Bauern profitieren", so der Leiter für die wichtige Kundengruppe der Hotels, Restaurants und Caterer (HoReCa) bei METRO Deutschland.

Der geerntete METRO Honig ist nicht Bestandteil des Sortiments. "Wir haben kein kommerzielles Ziel. Wir wollen etwas verändern und Fehler vermeiden, die immer wieder gemacht werden", sagt Krüger. Es anders zu machen, ist sein Antrieb. Anders heißt vor allem besser: Besser für die Bienen, besser für die Menschen und besser für lebenswerte und nachhaltige Ökosysteme, von denen am Ende alle profitieren. "Man muss es richtig machen", beginnt Christian Krüger sein Plädoyer für einen besonnenen Handlungsansatz: Nicht Masse zähle, nicht schöne Worte, sondern die Chance, etwas wirklich nachhaltig zu ändern. Wort für Wort, Gespräch für Gespräch.

Die Rettung der Biene ist eine große Aufgabe, für die die Vereinigten Nationen mit dem UN-Weltbienentag am 20. Mai eine Bühne schaffen. Noch mehr Hobby-Imker sind für Christian Krüger aber nicht die Lösung: "Jeder Einzelne kann ohne eigenen Bienenstock schon viel tun: Blütenreiche Pflanzenarten auf Balkon oder Garten aussäen, keine chemischen Keulen im eigenen Garten spritzen, Rasenmähen erst am Abend - das wäre schon ein guter Anfang."

 

Bienensterben - ein Blick auf die aktuellen Zahlen

  • Von den weltweit rund 20.000 bekannten Bienenarten sind lediglich 9 Arten in der Lage, Honig zu produzieren.
  • Die Bestäubungsleistung der Bienen wird allein in Deutschland mit rund 2 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.
  • Rund 80 % der heimischen Pflanzen sind auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen.
  • Die noch 550 in Deutschland lebenden Wildbienenarten sind besonders bedroht.
  • Gründe dafür sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft, die Lebensräume und Nahrungsvielfalt der Wildbienen schrumpfen lässt, der Einsatz von schädlichen Pestiziden auf Feldern und in Gärten sowie die zunehmende Urbanisierung.

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