Neue Gerichte, digitaler Auftritt – eine Gastronomin wagt den Kulturwandel

Seit 62 Jahren eine Institution in Castrop-Rauxel: das Restaurant Wetterkamp. Einst noch Dorfschänke mit gutbürgerlicher Küche, hat Tochter Christa Eickenscheidt den Familienbetrieb vor 6 Jahren übernommen - und kräftig umgekrempelt. Der Startschuss einer neuen Generation, die nicht nur neue Gerichte mit sich brachte.

Der Schritt in die Selbstständigkeit? Der war eigentlich gar nicht geplant. Sowohl Christa als auch ihr Bruder wollten das Restaurant ihrer Eltern nicht übernehmen. „Aber irgendwie lebt man auch dafür, wenn man in der Gastronomie aufwächst“, erklärt Christa. Und das ist sie. Von klein auf. Ihre Eltern führten das Restaurant Wetterkamp in Castrop-Rauxel. Beide waren stets im Dauereinsatz. Geregelte Öffnungszeiten? Fehlanzeige. Man war für die Gäste immer da. Die haben dann schon mal mit ihr Schularbeiten gemacht, sie beschäftig und mit ihr gemalt, erzählt Christa.

Christa führt das Restaurant ihrer Eltern weiter. Sie sind bei ihr angestellt.

 

Das tun, was glücklich macht

Es sei der Menschenkontakt, der so viel Spaß an der Arbeit mit sich bringe. „Das Mehr an Arbeit macht dann nichts“. Diese Einstellung teilt Christa mit vielen Frauen, die sich selbstständig gemacht haben oder die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen. Die zweite Internationale METRO Own Business Study hat Frauen und ihre Selbstständigkeit näher beleuchtet und zeigt, dass die Motivation reich zu werden mit dem eigenen Geschäft nicht an erster Stelle steht. Nur 9 % der Frauen, die angeben, gern ihr eigenes Unternehmen zu gründen, streben dies an, um reich zu werden. Für 54 % ist die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt mit etwas zu verdienen, was sie glücklich macht, die größte Motivation.

 

Den Weg wagen

Die gelernte Hotelfachfrau führt nun das elterliche Restaurant – mit nur 31 Jahren. Dass immer mehr jüngere Frauen den Weg in die Selbstständigkeit wagen und es kein „richtiges“ Alter für eine Unternehmensgründung gibt, ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Fast 50 % der befragten Unternehmerinnen sind jünger als 45 Jahre, 51 % sind älter als 45.

 

Dass immer mehr jüngere Frauen den Weg in die Selbstständigkeit wagen und es kein „richtiges“ Alter für eine  Unternehmensgründung gibt, ist ein weiteres Ergebnis der Studie.

Angst vor den Schritt in die Selbstständigkeit hatte sie nicht. „Es war an der Zeit, dass sich was ändert“, erklärt Christa. Die Umsatzzahlen stimmten nicht mehr, das Geschäft lief nicht mehr gut. „Am Ende hat mich meine Mutter ermuntert. 'Du machst doch ohnehin schon alles und du machst es gut', sagte sie mir.“ Dann hat Christa den entscheidenden Schritt gewagt. „Ich habe das Geschäftsmodell überarbeitet, eine Umbau gestartet, die Öffnungszeiten geändert, die Preise angehoben und die Speisekarte geändert“, listet sie auf. Schritt für Schritt zeigten sich die Veränderungen.

Den Kulturwandel schaffen

Die Herausforderung war, die Stammkunden ihrer Eltern nicht zu vergraulen. „Sie mitzunehmen auf meinem Weg, das war mir wichtig“, erzählt Christa und ergänzt nach einer kleinen Pause: „Und nicht ganz leicht“. Dass der Generationenwechsel recht reibungslos verlief, verdankt sie auch ihren Eltern. „Sie sind jetzt bei mir angestellt. Und haben sich auf die Veränderungen eingelassen.“ Gesehen haben sie das Potenzial und sie vorangetrieben, davon ist Christa überzeugt.

Auch wenn Christa ihre Eltern im Rücken hatte, den Weg zur Unternehmerin hat sie alleine gestemmt. Businessplan und Finanzierung inklusive. Eine Hürde, die viele Unternehmerinnen als hoch empfinden. Laut der Studie geben 32% der deutschen Unternehmerinnen an, dass die Finanzierung der schwierigste Teil der Unternehmensgründung war.

Christas Weg hat sich gelohnt. Auf der Speisekarte heißt es: Deutsche Küche mit vegetarischem Angebot. Trendgerichte und hippe Getränke mit eingeschlossen. Denn so etwas müsse auch ausprobiert werden, auch wenn viel Trail and Error dabei sei, weiß Christa aus der Erfahrung. Aber am Ende hat es funktioniert. Das zeigen die Gäste. „Die sind komplett gemischt, jung wie alt“, freut sich Christa.

Mit der Zeit gehen

Ihre Eltern musste sie davon überzeugen, dass die Tischreservierung nicht nur per Telefon sondern auch online erfolgen kann. Aber auch für sie war viel Neuland dabei. Digitale Tools seien unabdingbar, um den gastronomischen Alltag zu meistern, weiß sie heute. „Wenn man davon profitieren möchte, muss man mit der Zeit mitgehen. Hätte ich es nie ausprobiert, wüsste ich es nicht.“ Freies W-LAN gehört seither selbstverständlich dazu, ebenso wie eine moderne Website und ein iPad-Kassensystem, das Funkbonierung erlaubt, Kartenzahlung zulässt, Tischpläne erstellt und die Buchhaltung per Knopfdruck übernimmt. „Das erspart eine Menge Zeit und ich kann mich auf die Gäste und meine Gerichte konzentrieren.“

 

Christa will ihr Restaurant künftig noch mehr mit digitalen Tools ausrüsten.

 

Hier ist sie vielen weiblichen Geschäftsinhabern einen Schritt voraus, wie die Studie zeigt: 79% der Unternehmerinnen sind der Meinung, dass digitale Tools für die tägliche Arbeit ihres Unternehmens unerlässlich sind. Allerdings haben nur 38% von ihnen eine Website und 26% nutzen Social Media, um ihr Geschäft zu bewerben „Meine Vision ist es, das Restaurant einmal komplett zu digitalisieren“, verrät Christa.

Trotz aller Veränderung, eine Tradition besteht weiterhin: Die alte Kegelbahn von 1957. „Hier ist der Service jetzt sogar schneller geworden. Früher haben wir die Bestellung auf einen Block geschrieben, das musste in die Kasse übertragen, der Bon in die Küche und die Getränkebestellung an die Bar gebracht werden. Dank des Kassensystems ist die Bestellung nur noch ein Klick. Und den Gast freut es“, strahlt Christa.