Können 1,2 Gramm über unsere Ernährung entscheiden?

Sie bringen nur 1,2 Gramm auf die Waage, ihre Arbeit ist aber bedeutungsschwer für das Ökosystem und unsere Ernährung. Doch die Biene ist in Gefahr. Pestizide sowie die zunehmende Urbanisierung sind nur einige Gründe. Christian Krüger ist leidenschaftlicher Imker. Sein Auftrag: die Völkerverständigung zwischen Mensch und Biene.

Für Christian Krüger sind seine Bienen nicht einfach ein Hobby. Bienen zu halten, bedeutet für den 38-jährigen sich wirklich mit den Tieren auseinanderzusetzen. "Gesunde Bienenhaltung besteht nicht darin, ein paar Bienenvölker in den Garten oder auf einem blühenden Feld abzustellen und sich damit als Bienenretter zu fühlen," erklärt Krüger. Nicht nur Monokulturen, giftige Pestizide oder Strahlung seien große Gefahren für Bienenvölker, sagt er, sondern unbedarfte Hobby-Imker. In Deutschland gebe es Jagd- und Angelschein, bemängelt er, aber keine Prüfung für Imker. "Drei Wochen blühendes Erdbeerfeld sind für Bienen wie drei Wochen das immer gleiche Fast Food für uns Menschen. Wir sind danach nicht nur hochgradig übersättigt, sondern auch krank," erklärt Krüger.

Bienen sind nicht aggressiv oder gefährlich, sie setzen sich nicht auf Kuchenstücke oder Grillsteaks.

Christian Krüger
Christian Krüger

Christian Krüger imkert seit einigen Jahren. Seine Bienenvölker leben im artenreichen Mettmanner Naturschutzgebiet - und bald auch in acht Bienenstöcken auf dem Gelände des METRO Cash & Carry Marktes in Krefeld. Dahin bringt der passionierte Imker seine Bienen, um das Völkerverständnis zwischen Mensch und Biene zu fördern. "Bienen sind nicht aggressiv oder gefährlich, sie setzen sich nicht auf Kuchenstücke oder Grillsteaks", sagt er.

Zu viele Menschen verbinden genau dieses Verhalten mit Bienen - anstatt es ihren weniger angenehmen gelb-gestreiften Zeitgenossen, den Wespen, zuzuschreiben. "Wir arbeiten nicht nur gegen Vorurteile, wir wollen vor allem zeigen, wie Bienenhaltung richtig geht."

Seine Leidenschaft für Bienen steckt an: Viele  Mitarbeiter in Krefeld lassen sich in artgerechter Imkerei ausbilden, um sich um ihre neuen Kollegen kümmern zu können. Dazu ist eine Kooperation mit Mellifera e.V. geplant, einem Verein, der sich bereits seit 1985 für wesensgemäße, nachhaltige und ökologische Bienenhaltung einsetzt. Im Dialog steht Krüger auch mit den lokalen und regionalen Bauern. Über 50 Quadratkilometer decken Honigbienen auf der Jagd nach schmackhaften Pollen ab. Die Bauern im Umkreis bieten den Bienen künftig vielfältige grüne Flächen. "Damit errichten der Krefelder METRO Standort und die regionalen Bauern ein Ökosystem, von dem im Endeffekt nicht nur Bienen und Bauern profitieren", so der Leiter HoReCa bei METRO Deutschland.

Der geerntete METRO-Honig ist nicht Bestandteil des Sortiments. "Wir haben kein kommerzielles Ziel. Wir wollen etwas verändern und Fehler vermeiden, die immer wieder gemacht werden", sagt Krüger. Es anders zu machen, ist sein Antrieb. Anders heißt vor allem besser: Besser für die Bienen, besser für die Menschen und besser für lebenswerte und nachhaltige Ökosysteme, von denen am Ende alle profitieren. "Man muss es richtig machen", beginnt Christian Krüger sein Plädoyer für einen besonnenen Handlungsansatz: Nicht Masse zähle, nicht schöne Worte, sondern die Chance, etwas wirklich nachhaltig zu ändern. Wort für Wort, Gespräch für Gespräch.

Die Rettung der Biene ist eine große Aufgabe, für die die Vereinigten Nationen mit dem ersten UN-Weltbienentag am 20. Mai 2018 eine Bühne schaffen. Noch mehr Hobby-Imker sind für Christian Krüger aber nicht die Lösung: "Jeder Einzelne kann ohne eigenen Bienenstock schon viel tun: Blütenreiche Pflanzenarten auf Balkon oder Garten aussäen, keine chemischen Keulen im eigenen Garten spritzen, Rasenmähen erst am Abend - das wäre schon ein guter Anfang."

 

Bienensterben - ein Blick auf die aktuellen Zahlen

  • Von den weltweit rund 20.000 bekannten Bienenarten sind lediglich 9 Arten in der Lage, Honig zu produzieren.
  • Die Bestäubungsleistung der Bienen wird allein in Deutschland mit rund 2 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.
  • Rund 80 % der heimischen Pflanzen sind auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen.
  • Varroa-Milben, Faulbrut und schädliche Pestizide dezimieren Jahr für Jahr den Bienenbestand.
  • Das hat im Winter 2017 dazu geführt, dass 50 % der Bienenvölker nicht überlebt haben.
  • Die noch 585 in Deutschland lebenden Wildbienenarten sind besonders bedroht.
  • Gründe dafür liegen unter anderem in der Intensivierung der Landwirtschaft, die Lebensräume und Nahrungsvielfalt der Wildbienen schrumpfen lässt, der Einsatz von schädlichen Pestiziden auf Feldern und in Gärten sowie die zunehmende Urbanisierung.