Warum lohnt es sich, Lebensmittel vor dem Müll zu retten?

Vor knapp 10 Jahren begann Raphael Fellmer, Lebensmittel vor dem Müll zu retten. 2017 machte er aus seiner Leidenschaft ein Geschäft. Der Umwelt-Aktivist gründete SirPlus. Das Berliner Start-up verkauft überschüssige Lebensmittel – online und im Laden. Mit zunehmenden Erfolg.

Karotten werden aussortiert, weil sie krumm sind. Müsli schafft es nicht mehr in den Handel, weil es in ein paar Wochen abläuft. Joghurt, Marmelade und Konserven landen unbesehen im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Für Raphael Fellmer ein Unding. Denn all diese Lebensmittel sind in der Regel noch genießbar. 2009 wurde der heute 35-Jährige auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Ein Film rüttelte ihn wach. Fellmer beschloss, sich der Konsumgesellschaft zu entziehen, er reiste ohne Geld um die Welt und lebte anschließend 5 Jahre lang im Geldstreik in Berlin. In dieser Zeit gründete er die deutsche Foodsharing-Bewegung mit.

Mehr als 13.000 Tonnen Lebensmittel hat die Organisation seit 2012 mithilfe Ehrenamtlicher gesammelt und an ihre 200.000 Mitglieder sowie Bedürftige verteilt. Angesichts der rund 18 Millionen Tonnen, die in Deutschland jedes Jahr im Müll landen, ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie also noch mehr überschüssige Lebensmittel retten? Die Antwort war für Raphael Fellmer schnell klar: "Wir müssen das Thema mainstream machen und in die Mitte der Gesellschaft holen. Nur so können wir Vorurteile abbauen und die Nachfrage erhöhen", so Fellmer. "Und wir müssen mit unserem Angebot professioneller werden. Schließlich haben viele Menschen keine Zeit, sich selbst beim Sammeln und Verteilen zu engagieren."

Raphael Fellmer

Mein Traum ist, dass eines Tages alle Menschen genügend zu essen haben. Deshalb können wir es uns nicht länger leisten, überschüssige Lebensmittel wegzuwerfen.

Raphael Fellmer

Deshalb gründete Raphael Fellmer zusammen mit seinen Partnern Martin Schott und Alexander Piutti SirPlus. Als Geschäftsführer fördert der ehemalige Konsumverweigerer nun selbst den nachhaltigen Konsum. Gewinne wirft das kleine Unternehmen zwar noch nicht ab. Aber dank verlässlicher Partner wie METRO Cash & Carry Berlin, mehr als 150 anderen Händlern und Produzenten, zahlreichen ehrenamtlichen Praktikanten sowie weiteren Helfern hat SirPlus das erste halbe Jahr gut überstanden. Bis zu 600 Kunden strömen täglich in den kleinen Laden in Berlin, um überschüssiges Obst und Gemüse, abgepackte Snacks und seit neuestem kühlpflichtige Lebensmittel zu einem Bruchteil des normalen Preises zu kaufen. Auch der bundesweite Onlineversand ist gut angelaufen. Hier will Fellmer das Angebot in den kommenden Monaten weiter ausbauen. Und für weitere Ladengeschäfte in Berlin und anderen Städten werden bereits Standorte gesucht. 35 Läden europaweit in den kommenden 5 Jahren sind das Ziel. Auch Küchenchefs möchte Raphael Fellmer künftig als Mitstreiter gewinnen und SirPlus generell als Berater beim Thema Lebensmittelretten positionieren. Warum Fellmer sein Unternehmen so engagiert vorantreibt? "Mein Traum ist, dass eines Tages alle Menschen genügend zu essen haben. Deshalb können wir es uns nicht länger leisten, überschüssige Lebensmittel wegzuwerfen."

Lesen Sie auch das Interview mit Raphael Fellmer in unserem Kurzbericht 2016/17:
"Wer ist verantwortlich dafür, dass Gutes nicht im Müll landet?"

Weitere Informationen über SirPlus erhalten Sie auf www.sirplus.de

Was passiert mit den Lebensmitteln, die nicht gekauft und konsumiert werden? Landen die einfach im Müll? Lars Jope, Leiter Nationale Politik aus dem Hauptstadtbüro der METRO AG besucht den METRO-Großmarkt in Berlin-Friedrichshain. Im Fokus: gerettete Lebensmittel.