Wie kann „Digital Detox“ in der Gastronomie umgesetzt werden?

In Israel geben Restaurants Rabatte, wenn Gäste ohne Handy kommen. Das Weinstadt-Hotel bei Stuttgart hat sogar handyfreie Zonen eingeführt. Besitzerin Stéphanie Staudenmayer über den „Digital Detox“.

Frau Staudenmayer, das Weinstadt-Hotel ist das erste Hotel in Deutschland, in dem es „handyfreie Zonen“ gibt. Im Restaurant und Gastraum sind Telefone und Laptops verboten. Wieso?

Handys haben das Miteinander verändert. Wir im Hotel- und Gastronomiegewerbe haben das besonders gemerkt. Viele Gäste starren auf ihr Telefon und kriegen kaum noch ein nettes Wort heraus. Gerade meinem Mann Marco Rabander ist das aufgefallen. Und einmal darauf aufmerksam gemacht, habe ich es auch gesehen: Für viele ist das Handy wie eine Sucht. Vor zwei Jahren haben wir dann gesagt: Wir wollen das nicht mehr. Wir wollen unseren Gästen eine wirkliche Auszeit vom Handy gönnen.

Funktioniert das? Was sagen die Gäste zum „Digital Detox“?

Es gibt unterschiedliche Stimmen. Die einen verziehen ihr Gesicht und kommen wahrscheinlich auch nicht wieder. Andere wiederum sind begeistert. Ein Beispiel: Eine ältere Dame nahm mich in den Arm, nachdem sie in unserem Restaurant ihren Geburtstag gefeiert hatte, und sagte zu mir: „Es war so schön, dass keiner ein Handy hatte. So intensiv haben wir uns lange nicht mehr unterhalten.“ Auch Pärchen nutzen die Zeit im Restaurant ganz bewusst für Gespräche.

 

Stéphanie Staudenmayer, Besitzerin Weinstadt-Hotel

Viele Gastronomen sehen ein Handyverbot als Rückschritt – ja sogar als „tödlich“ für ihr eigenes Geschäft an. Was halten Sie denen entgegen?

Es gibt sicherlich Hotels und Restaurants, die ganz mondän sind, da passt es nicht. Aber für andere, die vielleicht stärker auf die Themen Natur und Region setzen, kann es nur von Vorteil sein. Auch für die Mitarbeiter, denn die werden - ganz überspitzt gesagt - endlich wieder wahrgenommen und bekommen Anerkennung.

Was sind Ihrer Meinung nach weitere Vorteile der „handyfreien Zonen“?

Ruhe für den Geist, um zu regenerieren. Einfach mal nicht erreichbar sein und etwas Anderes bewusst zu genießen. Das ändert die gesamte Atmosphäre. Bei uns herrscht seitdem eine ganz besondere Ruhe. Das kann ich schwer beschreiben. Ein bisschen wie aus vergangener Zeit.

„Digital Detox“ wird in immer mehr Restaurants und Hotels angeboten. In der Steiermark beispielsweise gibt es Hotels, die weder W-Lan noch Handyempfang bieten. Unter welchen Voraussetzungen wäre das auch was für Sie?

Da wir verstärkt Geschäftskunden haben, ist das für uns kein Modell. In den Zimmern und in der Lobby wird es weiter Handys und W-Lan geben und das werden wir auch weiter modernisieren. Trotzdem wollen wir gerade den Business-Gästen einen Ausgleich bieten und ihnen zumindest beim Essen „Entschleunigung“ ermöglichen. Das Motto: Digital ja, aber bitte bewusst!

Ist „Digital Detox“ Ihrer Meinung nach ein Zukunftsmodell für die Gastronomie?

Da wo es passt, bestimmt. Denn es gibt immer mehr Menschen, die nicht immer erreichbar sein wollen. Persönlich würde mich das natürlich sehr freuen.

 


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