Kann man saubere Meere am Reißbrett designen?

Alles begann mit einer Diplomarbeit, die Architektin Marcella Hansch einreichen musste, um ihr Studium an der RWTH Aachen abzuschließen. Doch das Ende eines Studiums wurde der Beginn eines Projekts, das unsere Ozeane von Plastikmüll befreien soll.

Marcella, du bist Architektin: Wie ist ein Projekt für saubere Meere zu deiner Abschlussarbeit geworden?

Eher andersrum: Meine Abschlussarbeit ist zu einem Projekt für saubere Meere geworden. Beim Tauchen habe ich die Problematik buchstäblich vor der Nase gehabt und wollte mich dem Thema widmen. Ich habe mich dann ganz in Architektenmanier in alle möglichen Fachrichtungen eingelesen. Ich habe Maschinenbau-Skripte gelesen, Recyclinganlagen besucht, die NASA angeschrieben, Bücher über die Entstehung der Ozeane gelesen, Kläranlagen studiert - und am Ende das "Pacific Garbage Screening" entwickelt.

Beim Tauchen habe ich das Problem buchstäblich vor der Nase gehabt

Marcella Hansch

PGS

Projekt Pacific Garbage Screening (PGS). PGS bietet eine innovative Lösung für saubere Ozeane. Sie basiert auf einer revolutionären Idee: Eine schwimmende Plattform, deren spezielle Bauweise es ermöglicht, selbst kleinste Mikroplastikpartikel aus dem Wasser zu filtern. Der Ansatz funktioniert ohne Netze - mit Hilfe eines passiven Sedimentierungsprinzips. Das ist energieeffizient und Meereslebewesen werden durch diese Methodik nicht gefährdet.

Was ist seit der Planungsphase passiert und wo steht ihr gerade?

Angefangen hat alles mit ein paar Impulsvorträgen auf Konferenzen, die von den Medien aufgegriffen wurden. Es gab immer mehr öffentliches Interesse an der Idee. Inzwischen sind wir ein gemeinnütziger Verein und arbeiten an der Umsetzung der Idee. Erstes Ziel sind Prototypen für Flüsse und Flussmündungen, um das Plastik aus dem Wasser zu holen, bevor es überhaupt in die Meere gelangt. Außerdem sind wir aktiv im Bereich Umweltbildung, um auf das Problem aufmerksam zu machen und an der Wurzel, dem Konsum, zu beginnen. Unser aktives Team besteht aus 40 Mitgliedern. Vom Studenten, über Geografen und PR-Experten, bis hin zum promovierten Biologen haben wir alles "an Bord". Darüber hinaus haben wir über 800 Fördermitglieder und sind inzwischen schon weltweit aktiv - alle ehrenamtlich.

Wann und wo wird die erste Plattform ihren Dienst beginnen?

Ziel ist, die ersten Prototypen in 5 Jahren einzusetzen. Dazu brauchen wir dringend Kapazitäten und Finanzmittel, um von der Theorie in die Praxis umschwenken zu können.

 

Hast du schon eine Idee, was mit dem Müll passiert, sobald er aus dem Meer gefischt ist?

Mein erster Ansatz war, das Plastik zu vergasen. In dem Prozess entsteht ein synthetisches Gas, hauptsächlich bestehend aus CO2 und Wasserstoff. Wasserstoff kann als Energieträger genutzt werden, das CO2 als Nahrung für Algenkulturen. Aus deren Biomasse könnte man dann wiederum biologisch abbaubare Algenkunststoffe herstellen. Aktuell untersucht unser 'Team Verwertung' die Realisierbarkeit und weitere alternative Ansätze. Uns ist eine nachhaltige Verwertung wichtig. Plastik ist eigentlich ein wertvoller Rohstoff, da er auf der endlichen Ressource Erdöl basiert. Daher ist Verbrennen in unseren Augen absolut keine Option.

Marcella Hansch

Marcella Hansch ist Architektin und Gründerin des Pacific Garbage Screening e.V. Nach ihrem Studium in Florenz und Aachen, arbeitet Marcella seit einigen Jahren als Architektin für CROSS Architecture in Aachen. Neben ihrem Job leitet sie das Projekt Pacific Garbage Screening (PGS). Das Team arbeitet derzeit an der Umsetzung dieser Technologie und macht gleichzeitig auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam. Für ihr Engagement und die Idee des Pacific Garbage Screenings ist Marcella bereits mit dem Edition F Award 2017 und dem Bundespreis EcoDesign in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet worden.