Können wir von der Natur leben, ohne sie auszubeuten? (Teil 1/4)

Permakultur. Esoterisches Garten-Feng-Shui? Keineswegs! Permakultur bringt viele Vorteile mit sich - teilweise alte Sorten und lebendige Ökosysteme sind nur zwei davon. Wie das funktioniert, erklärt uns Marion Buley, Permakultur-Beauftragte von lehmann natur. Teil 1 der Serie über Permakultur.

Frau Buley, wie gelingt es mit Permakulturen ein komplettes Ökosystem aufzubauen?

Mit Permakultur werden Prinzipien von Ökosystemen nachempfunden, um eine möglichst stabile, dauerhafte Landwirtschaft aufzubauen. In der Permakultur wird deshalb auf Vielfalt an Kulturpflanzen und Mischkultur gesetzt. Ein typisches Beispiel ist der sogenannte Waldgarten, in dem verschiedene Obstbäume, -büsche, Wildobst und Gemüsestauden sowie Kräuter gemischt angepflanzt werden. In mehreren Etagen wird somit die Fläche sehr intensiv genutzt. Pflanzenkrankheiten und Schaderreger können sich weniger ausbreiten. Auch auf dem Acker wird auf Mischkultur gesetzt, etwa durch Pflanzung von Mais zusammen mit Bohnen. Die Bohnen können mit ihren Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft sammeln, der dann auch dem Mais zur Verfügung steht. Durch Pflanzung von Hecken schaffen wir zusätzlichen Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleintiere. Dadurch kommt der Vogelgesang wieder zurück in unsere ausgeräumten Landschaften.

Was sind die Vorteile von Obst und Gemüse aus Permakulturen?

Obst und Gemüse aus Permakultur ist ursprünglich und wie von der Natur geschaffen, das heißt aber auch, dass es kleine Frassstellen oder auch nur optisch relevante Flecken geben kann. Das liegt daran, dass wir bei lehmann natur in der Permakultur weitestgehend auch auf die im Ökolandbau zugelassenen Spritzmittel verzichten. Teilweise werden alte Sorten oder auch Wildsorten angebaut. Diese haben ein unvergleichliches Aroma. Im Falle von Äpfeln enthalten alte Streuobstsorten vielfach wesentlich mehr gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe wie etwa Polyphenole als Neuzüchtungen. Dadurch werden unsere Äpfel beim Anschneiden wieder braun, was wir als besonderes Qualitätsmerkmal werten.

Ich persönlich finde es toll, den Jahreslauf auch auf dem Teller zu erleben

Marion Buley

Permakultur bedeutet Konzentration auf saisonales Obst und Gemüse - schränkt uns das als Verbraucher nicht ein?

Das kommt auf die Sichtweise an. Für viele Verbraucher bedeutet es sicherlich ein Umdenken. Ich persönlich finde es toll, den Jahreslauf auch auf dem Teller zu erleben. Außerdem haben Erdbeeren aus der Region zur Saison zumeist einen besseren Geschmack. Nach den Erdbeeren freue ich mich dann auf die Himbeeren und so weiter. Damit werden die einzelnen Früchte zu etwas Besonderem. Außerdem bietet die Permakultur eine so hohe Vielfalt an Obst und Gemüse - die derzeit leider noch nicht alle im Handel verfügbar sind - dass es nie langweilig wird.

 

 


Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung stellt sich die Frage: Kann man mit Permakultur auch viele Menschen ernähren? Antworten auf diese Frage gibt uns Marion Buley in Teil 2 der Serie, die am 3. August auf MPULSE erscheint.

WWF-Studie

In der WWF-Studie „Das grosse Wegschmeissen“ von 2015 wird weltweit von Verlusten von 30 bis 40 Prozent vom Feld bis zum Teller ausgegangen.
Mehr Infos: Das große Wegschmeissen

Permakultur

"Traue nicht dem Ort, an dem kein Unkraut wächst." Das geflügelte Wort definiert gleichzeitig den Anspruch an Permakultur, die heute neben Landbau auch auf Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen einwirkt. Nach Bill Mollison, Australier und Co-Gründer der Philosophie, hat Permakultur zum Ziel, landwirtschaftlich produktive Ökosysteme zu schaffen, die die Artenvielfalt, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Mollison entwickelte die Idee als Gegenentwurf zur industrialisierten Agrarwirtschaft Mitte der 1970er Jahre. 1978 veröffentlichte er mit "Permaculture One" sein erste Buch zu dem Konzept. 1981 wurd er für seine Arbeit mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Agraringenieurin und Europaökonomin Marion Buley

Die Agraringenieurin und Europaökonomin hat über 15 Jahre lang in mehr als 20 Ländern Ökolandbaupojekte in der Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut. Nach Stationen als Qualitätsmanagerin bei einer internationalen Zertifizierungsstelle und als Firmenkundenbetreuerin für die Ökolebensmittelbranche bei einer Nachhaltigkeitsbank ist sie seit 2015 tätig in den Bereichen Aufbau von Wertschöpfungsketten und im Regionalmanagement sowie Permakultur-Beratung für lehmann natur, Gesellschaft zur Erzeugung und zum Vertrieb ökologischer Produkte mbH. Obst und Gemüse aus Permakultur liefert das Unternehmen deutschlandweit an Real.