Können wir von der Natur leben, ohne sie auszubeuten? (Teil 2/4)

Permakultur bringt die Jahreszeiten zurück auf die Teller der Verbraucher. Aber können wir mit Permakultur auch viele Menschen satt bekommen? Marion Buley, Permakultur-Beauftragte von lehmann natur, gibt uns dazu in Teil 2 der Permakultur-Serie Antworten.

Frau Buley, ist Permakultur überhaupt dafür geeignet, große Mengen Menschen satt zu bekommen?

Ja, persönlich glaube ich, dass das möglich ist, denn gerade in der Permakultur werden Anbauflächen kleinräumig sehr intensiv genutzt. Durch eine sehr genaue Standortanalyse werden optimal an den Standort angepasste Kulturpflanzen angebaut. Ziel ist, Ressourcen möglichst effizient einzusetzen.

Zusätzlich bauen wir in der Permakultur auf sich unterstützende Mischkulturen (zum Interview Teil 1). Allerdings ist es unabdingbare Voraussetzung für eine weltweite Ernährung der Menschen durch Permakultur oder Ökolandbau, dass der Fleischkonsum reduziert werden muss, denn dieser benötigt ein Vielfaches an Fläche und ist heute verantwortlich für Regenwaldabholzung, riesige Flächen an Sojaanbau in Monokultur sowie die Nitratbelastung unserer Gewässer. Auch müssen Lebensmittelverluste und -verschwendung reduziert werden. In der WWF-Studie "Das große Wegschmeißen" von 2015 wird weltweit von Verlusten von 30% - 40% vom Feld bis zum Teller ausgegangen. Durch Handelsklassen und sehr hohe Anforderungen an die makellose Optik von Obst und Gemüse wird zusätzlich ein nicht unerheblicher Teil der Produkte zum Beispiel gar nicht erst geerntet.

Permakultur heißt, mit der Natur zu arbeiten: Ist das der Weg zu nachhaltiger Ernährung?

Mit der Natur zu arbeiten ist der einzige Weg zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung. Eine permakulturelle Landwirtschaft bringt eine Vielfalt an Produkten hervor, von denen eine ganze Reihe sogar zu den sogenannten Superfoods gehören. Zu einer nachhaltigen Ernährung gehören für mich aber auch kurze Wege und weniger Verpackung.

 

 


Was macht Obst und Gemüse aus Permakultur einzigartig? Marion Buley erklärt das Permakultur-Konzept und seine Vorteile für Mensch und Umwelt in Teil 1 der MPULSE-Serie.

 

Permakultur

"Traue nicht dem Ort, an dem kein Unkraut wächst." - das geflügelte Wort definiert gleichzeitig den Anspruch an Permakultur, die heute neben Landbau auch auf Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen einwirkt. Nach Bill Mollison, Australier und Co-Gründer der Philosophie, hat Permakultur zum Ziel, landwirtschaftlich produktive Ökosysteme zu schaffen, die die Artenvielfalt, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Mollison entwickelte die Idee als Gegenentwurf zur industrialisierten Agrarwirtschaft Mitte der 1970er Jahre. 1978 veröffentlichte er mit "Permaculture One" sein erstes Buch zu dem Konzept. 1981 wurde er für seine Arbeit mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

 

WWF-Studie

WWF-Studie: In der WWF-Studie "Das große Wegschmeißen" von 2015 wird weltweit von Verlusten von 30 bis 40 Prozent vom Feld bis zum Teller ausgegangen.

Mehr Infos: Das grosse Wegschmeissen

Agraringenieurin und Europaökonomin Marion Buley

Die Agraringenieurin und Europaökonomin hat über 15 Jahre lang in mehr als 20 Ländern Ökolandbaupojekte in der Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut. Nach Stationen als Qualitätsmanagerin bei einer internationalen Zertifizierungsstelle und als Firmenkundenbetreuerin für die Ökolebensmittelbranche bei einer Nachhaltigkeitsbank ist sie seit 2015 tätig in den Bereichen Aufbau von Wertschöpfungsketten und im Regionalmanagement sowie Permakultur-Beratung für lehmann natur, Gesellschaft zur Erzeugung und zum Vertrieb ökologischer Produkte mbH. Obst und Gemüse aus Permakultur liefert das Unternehmen lehmann natur deutschlandweit an Real.