Grenzen Bewegen

Auf digitaler Großhandels-Reise

Algorithmen, Robotics, bargeldloses Zahlen. METRO treibt die Digitalisierung des Großhandels voran. Das Credo: Technologie ohne Kundennähe ist wertlos. So ist man schneller in der Zukunft als man denkt.

Willkommen in der Zukunft

Ein Montag im Jahr 2025. Restaurantbesitzer Marcos plaudert mit seinen Gästen, begrüßt Neuankömmlinge und spricht am nächsten Tisch Empfehlungen aus. Früher war der Montag der Tag, an dem er im Büro saß und seine Einkaufliste schrieb. Heute aber steht er im Gastraum und schreibt die neuen Weinempfehlungen auf die große Schiefertafel. Um die Einkaufsliste kümmert sich inzwischen sein Regal – ausgestattet mit Sensoren, die genau festhalten, welches Produkt gekauft werden muss. Was fehlt, überträgt das Regal automatisch auf die Liste. Sie ist Teil einer App, die den Gastwirt direkt mit dem Großhandelsmarkt, in dem er seine Waren einkauft, verknüpft. Die App prüft, ob die Produkte im Markt zur Verfügung stehen, empfiehlt weitere Produkte und gibt Bescheid, dass Marcos morgen zum Einkauf kommt. Obwohl ihm nun Drohnen die Waren zustellen könnten, geht Marcos auch im Jahr 2025 noch immer lieber selbst in den Markt – dieses Mal möchte er sich unbedingt in der Likeur Lounge persönlich beraten lassen.

 

Eigene Lösungen finden

Was noch wie Science-Fiction klingt, könnte schon bald zum Alltag gehören. Da ist sich Timo Salzsieder, CIO und CSO der METRO AG und Chef von deren Tech-Unit METRONOM, sicher. Noch allerdings tut sich die Branche bei der Digitalisierung etwas schwer: Eine Studie aus dem Jahr 2018, für die der IT-Dienstleister Tata Consulting zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Bitcoin Research fast 1.000 Unternehmen zum Stand ihrer Digitalisierung befragt hat, zeigt: Anders als andere Branchen nutzt der Handel moderne Technologien nur selten – mit Ausnahme von Cloud-Computing und Blockchain.

Doch auch der Rest wird immer wichtiger. Der Grund: erhöhte Komplexität. So werden im Großhandel beispielsweise täglich weltweit enorme Warenmengen bewegt. Hinzu kommt, dass für Lebensmittel wie Fisch oder Fleisch Gefrierzonen beim Transport eingehalten werden müssen. Das erschwert die Tourenplanung.

Um dieser Komplexität Herr zu werden, entwickelt METRO passgenaue Lösungen. Dafür stellte sich das Unternehmen im Jahr 2018 komplett neu auf. Es entstand die Tech-Unit METRONOM, deren Chef Salzsieder auf 20 Jahre Berufserfahrung in der Digitalbranche zurückblicken kann, unter anderem als Vorstand bei HolidayCheck. Er brachte neue Impulse für das gesamte Unternehmen, besonders in Sachen Kultur. Sie ist heute wichtiger Bestandteil seiner Unternehmensformel: Execution + Strategy + Culture = Success. Zudem öffnete sich das Unternehmen auch zunehmend nach außen: Es tauschte sich mit Partnern wie Google, Microsoft, der Fraunhofer-Gesellschaft sowie anderen Handelsunternehmen aus und holte sich Anregungen von branchenfremden Firmen. „Schließlich stehen wir alle vor ähnlichen Herausforderungen“, so der CIO des Großhandels- und Lebensmittelspezialisten. Das Ergebnis: Eine flexiblere und harmonischere IT-Architektur sowie eine bessere Vernetzung – intern und mit den Kunden. Während der Kunde beispielsweise eine Bestellsoftware nutzen kann, gibt es für die Fahrer eine Driver-App für effizientere Abläufe in Streckenplanung und Belieferung.
      
      MPULSE.de: Driver App: Kleines Tool, große Wirkung

Rund 7.000 Außendienstmitarbeiter teilen zudem über die App „Sales and More“ digital Informationen über ihre Kunden. So können sie sie noch gezielter beraten.

 

Standards sollen gefördert und die Komplexität weiter reduziert werden.

Timo Salzsieder

Die Mischung macht´s

Um sich noch besser an den Kunden anzupassen, setzt METRO bei seiner IT-Strategie auf einfachere und harmonisierte Prozesse. „Standards sollen gefördert und die Komplexität weiter reduziert werden“, sagt Salzsieder. Dabei lautet das Credo: Technologie ohne Kundennähe ist wertlos. Damit das Unternehmen dabei die verschiedenen Anforderungen und Geschäftsmodelle in den 25 Ländern, in denen METRO aktiv ist, im Blick behält, werden die bisherigen Standorte in Deutschland und Rumänien 2019 um eine Unit in Shanghai ergänzt. Weitere könnten in Indien und Russland folgen. Alle Einheiten erhalten die IT-Governance und -Struktur sowie festgelegte Prozesse aus der Düsseldorfer Zentrale. Zum Beispiel für Wareneingang oder Einkauf. Innovationen können die einzelnen METRO Ländergesellschaften hingegen je nach Land selbst entwickeln und länderspezifisch anpassen.

 

Trendsetter sein

Alle Maßnahmen verfolgen das eine Ziel: Ein besseres Einkaufserlebnis für den Kunden. Um das zu erreichen, sucht METRO nach Antworten auf aktuelle Trends. Dabei stehen insgesamt fünf Zukunftsthemen im Vordergrund: die automatische Bilderkennung für Produkte und Gesichter (Visual Search and Recognition), der Einsatz von virtuellen Assistenten im Markt (VR und AR), der Handel per Algorithmus, also beispielsweise die Individualisierung von Preis und Werbung, sowie die bargeldlose Bezahlung.

Erste Ergebnisse präsentiert METRO in seinem „LAB powered by METRONOM“ in Düsseldorf. Etwa zur Preisermittlung per Algorithmus: Heute bekommen METRO Kunden bereits einen günstigeren Preis, wenn sie große Mengen abnehmen. Künftig sollen Algorithmen die Preise berechnen, die so noch individueller auf den Kunden zugeschnitten werden können. Dafür hat METRO seine IT-Umgebung und Customer-Intelligence-Systeme ausgebaut und um kundengruppenspezifischere Trendanalysen erweitert. Auch für die Nutzung von Virtual- und Augmented Reality hat METRO bereits Ideen. So nutzt das Unternehmen diese Technologien in Frankreich für den Aufbau seiner Compact Stores

      MPULSE.de: Virtual Reality verändert den Handel

 

Das LAB als Ort des digitalen Austauschs soll hier Ideen liefern, sagt Salzsieder. „Dort zeigen wir, was technisch bereits möglich ist, weisen auf Chancen und Risiken hin und diskutieren Lösungen.“ So soll die Digitalisierung gelingen.

 

Marcos ist übrigens inzwischen im Markt angekommen. Seine App hat ihn registriert und leitet ihn per Indoor-Navigation durch den Store. Auf dem kürzesten Weg zu „seinen Produkten“. In der Likeur Lounge besucht er mittels VR-Brille das Weingut, von dem sein neuer Hauswein stammt, parallel informiert ihn ein Store-Mitarbeiter über den dortigen Öko-Weinanbau. Nach einem Tasting verlässt er mit seinem vollen Einkaufswagen den Markt. Kein Anstellen, kein Warten an der Kasse. Die App hat alles registriert und bucht das Geld für den Einkauf automatisch ab. So schnell war Einkaufen noch nie.

 


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