Können Fische Pflanzen ernähren?

In einer gigantischen Gesamtanlage blubbern die Barsche in einer Aquakultur, in einem Gewächshaus sonnt sich junges Gemüse. Nach dem Prinzip Aquaponik ist in Berlin eine der größten Stadtfarmen Europas entstanden. Ein Besuch.

Das Gelände der Berliner Malzfabrik ist ein historischer Ort. Ein denkmalgeschütztes Gebäude mit imposanten Schloten, rotem Backstein und rostigen Eisentoren. Was man nicht ahnt: Inmitten des alten Gemmäuers befindet sich einen hypermoderne Kräuterzucht. Hinter hellen Glasfassaden gedeihen Basilikum und Fische unter einem Dach.

Auf dem Gelände erprobt die Firma ECF Farmsystems das Prinzip „Fisch düngt Pflanze“ in einer der größten und fortschrittlichsten Aquaponik-Anlagen Europas. Rosa Barsche und Basilikum gedeihen hier. Es ist eine völlig neue Art der Lebensmittelproduktion, die kaum Wasser verbraucht, ohne Chemikalien auskommt und zugleich frische Bio-Kräuter mitten in der Großstadt hervorbringt.

Unzählige Besucher haben die Gründer Christian Echternacht und Nicholas Leschke bereits empfangen, um ihnen das Prinzip bei einer Führung genauer zu erläutern. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es in Berlin keinen frischeren Fisch als diesen hier gibt. Inzwischen als „Hauptstadtbarsch“ bekannt ist das rosa Tierchen doppelt nützlich: Zum einen weil es ein schmackhafter Speisefisch ist. Zum anderen weil seine Exkremente den Basilikum nähren. Das verbrauchte Wasser wird mit den Ausscheidungen der Fische an Biofilter weitergeleitet, aufbereitet und an die Pflanzen gegeben.

Es gibt gute Gründe, weshalb Wissenschaftler das Aquaponik-Prinzip schon länger erforschen. Zum einen ist es die Suche neuen Anbaumethoden, denn weltweit werden die Ackerflächen knapp und somit immer teurer. In trockenen Regionen ist diese Art der Zucht zudem eine völlig neue Versorgungsmöglichkeit. Dann geht es natürlich um eine umweltfreundlichere Herstellung gesunder Nahrungsmittel. Lange Transportwege und aufwändige Kühlketten fallen bei der Berliner Farm weg.

 

 

„Der Erlös aus Fisch- und Gemüsezucht ist für uns zwar notwendig, aber eher zweitrangig. Wir wollen die Technik verkaufen und unser Konzept mit Partnern umsetzen“, sagt Christian Echternacht. Den Aufbau einer Farm in der Schweiz haben sie bereits umgesetzt. In Brüssel haben sie mittlerweile eine 2.400m2 große Farm gebaut und dieses 2018 fertig gestellt. Sie ist heute die größte Anlage Europas. Weitere Projekte sind in Deutschland, Albanien oder Namibia geplant.

 


Das Prinzip "Fisch düngt Pflanze"

Die Anbaumthode erweist sich in der Praxis als ziemlich effektiv: 30 Tonnen Gemüse und 25 Tonnen Buntbarsche entstehen jährlich auf dem Gelände der Malzfabrik. Im Vergleich zu konventioneller Zucht spart man dort 90 Prozent Wasser und 70 Prozent Fläche. Auch auf synthetischen Dünger können die Betreiber verzichten. Zu den Kunden zählen diverse Sternerestaurants, das Frische Paradies und drei Berliner METRO-Märkten. Auch Frische-Boxen an Berliner haben die Unternehmer schon verkauft.

http://www.ecf-farm.de