Zwischen Hype und Zukunftslösung: Die Bio-Welle rollt

Bio-Produkte genießen einen guten Ruf. Aber haben die umweltschonend produzierten Waren wirklich immer die Nase vorne, etwa in Sachen Geschmack, Gesundheit und Nachhaltigkeit? MPULSE schafft Durchblick im Öko-Dschungel.

Karotten
Alles Hype?

Worum geht´s?

  • Was steckt hinter dem Bio-Trend?
  • Daten und Fakten rund um Öko-Lebensmittel
  • Ist Bio-Ware gesünder, nachhaltiger, leckerer?
Kartoffeln

Bio boomt: Zwar gab es im Jahr 2022 einen kleinen Dämpfer, aber im Jahr 2023 lag der Umsatz mit ökologisch produzierten Waren in Deutschland bei einem neuen Rekordwert von rund 16 Mrd. € – das sind rund 5 % mehr als im Vorjahr, berichtet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Zu den Verkaufshits gehören Eier, Gemüse und Obst. Auch international ist die Nachfrage hoch: Europaweit war im Zeitraum von 2019 bis 2022 insgesamt ein Umsatz-Plus von 18 % zu verzeichnen.

Laut Ökobarometer 2022 sind für deutsche Verbraucher drei Gründe für den Kauf von Bio-Lebensmitteln ausschlaggebend: eine artgerechte Tierhaltung, möglichst naturbelassene Lebensmittel sowie Regionalität. Außerdem wünschen sich die Befragten eine gesunde Ernährung, weniger Zusatzstoffe und weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Bio-Eigenmarken für Gastro-Profis

Der Handel bietet ökologisch produzierte Ware oft als Eigenmarke an. Beispielsweise führt METRO weltweit mehr als 500 Bio-Produkte als Eigenmarke im Sortiment – davon entwickelte der Großhändler rund 100 Artikel international und circa 400 regional. 👉 Eigenmarken - Produkte mit Anziehungskraft

Orientierung im Wörter-Wirrwarr

Wer Bio-Waren kaufen will, steht vor einer Vielfalt unterschiedlicher Begriffe – von „naturnah“ über „umweltgerecht“ bis hin zu „unbehandelt“. Allerdings gilt: Als „Öko" oder „Bio" dürfen laut EU-Vorgaben nur Lebensmittel bezeichnet werden, die den Mindeststandards des ökologischen Landbaus entsprechen. Die betreffenden Produkte tragen das EU-Bio-Siegel auf der Verpackung – ein stilisiertes Blatt auf grünem Hintergrund. In Deutschland können Hersteller das sechseckige deutsche Bio-Siegel freiwillig ergänzen. Zentrale Merkmale sind bei beiden Logos der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sowie eine möglichst artgerechte Tierhaltung.

Darüber hinaus gibt es viele weitere Labels, beispielsweise von ökologischen Anbauverbänden wie Bioland oder Demeter, die in einigen Punkten strengere Anforderungen stellen als der EU-Bio-Standard. Weltweit ist unter anderem das „Organic“-Siegel relevant, vergeben vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium. Die Ökostandards der USA und der EU werden von beiden Seiten als gleichwertig anerkannt. Allerdings gibt es Unterschiede: Beispielsweise ist der Einsatz von Antibiotika in der ökologischen Nutztierhaltung in den USA untersagt. In Europa sind sie dagegen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, beispielsweise wenn alternative Therapien erfolglos bleiben.

Fit dank Öko-Food?

Einiges spricht dafür, dass Öko-Produkte aus gesundheitlicher Sicht eine gute Wahl sind. So betont etwa das Bundeszentrum für Ernährung (BZFE), dass die Waren vergleichsweise gering mit Pflanzenschutzmitteln belastet sind. Hinzu kommt: „Weil sie weniger Wasser enthalten, stecken in Bio-Äpfeln, -Kartoffeln und Co. mehr Nährstoffe. Außerdem liefern sie tendenziell mehr Vitamin C und sind deutlich reicher an sekundären Pflanzenstoffen (Antioxidanzien), die vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.“

Doch viele Studien kommen zu anderen Ergebnissen. So fand beispielsweise eine Untersuchung der Universität Stanford keinen deutlichen Nachweis dafür, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher sind oder ein geringeres Gesundheitsrisiko bergen. Das Wissenschaftsmagazin „Quarks“: meint, dass letztlich ein ausgewogener Speiseplan entscheidend ist: „Generell ist eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse der Gesundheit zuträglicher, als allein auf Bioprodukte zu setzen. Übrigens: Statt sich vor Pestizidrückständen im Essen zu fürchten, sollte man das Augenmerk auf Bakterien und Pilze richten: Dafür sind Bioprodukte genauso anfällig wie konventionelle Lebensmittel.“

Reine Geschmackssache

Viele Konsumenten schwören auf das Aroma von Öko-Apfel und Co. Aber schmeckt Bio wirklich besser? Das BZFE meint: „Weil Biobauern auf leicht lösliche Synthetik-Dünger verzichten, wachsen Obst und Gemüse etwas langsamer. Schöner Nebeneffekt: Es enthält bis zu 20 % weniger Wasser, schmeckt darum oft intensiver und hat eine bessere Textur.“

Dagegen zeigte sich bei Blindverkostungen der Stiftung Warentest: „Produkte mit Bio-Logo schmecken genauso gut oder mittelmäßig wie die ohne.“ Die Tester ermittelten in beiden Produktgruppen sehr Schmackhaftes: bei den Bio-Lebensmitteln überzeugten beispielsweise schwarze Oliven und Schinken, bei konventioneller Ware unter anderem junger Gouda und geräuchertes Forellenfilet.

Alles nachhaltig, oder was?

Zumindest in puncto Umwelt und Klimaschutz dürfte Bio die Nase vorne haben, oder? Für viele Experten ist klar: Der Öko-Landbau verringert die Nitratbelastung von Gewässern und Grundwasser. Außerdem fördern Bio-Bauern durch u.a. die organische Düngung und wechselnde Fruchtfolge die Humusbildung und die Fruchtbarkeit des Bodens. Nicht zuletzt sind Öko-Flächen artenreicher: Integrierte Hecken, Tümpel und Streuobstwiesen bieten Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere.

Aber es gibt auch Widerspruch. So stößt etwa der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel im Öko-Landbau auf Kritik. Oder die Standards für die Tierhaltung: Beispielsweise gibt es für das EU-Bio-Siegel keine konkreten Vorgaben für Tiertransporte. Ein weiteres Beispiel: Eine britische Studie vergibt Minuspunkte in Sachen Klimaschutz. Danach würde eine Umstellung auf 100 % ökologischen Landbau in Großbritannien zu einem Anstieg der CO2-Emissionen führen. Denn aufgrund der geringeren Produktivität des Bio-Anbaus müssten unter Umständen mehr Nahrungsmittel importiert werden, was den Ausstoß an Treibhausgasen in die Höhe treiben würde. Und wegen der unter Umständen geringeren Erträge benötigt Biolandbau zudem teils mehr Fläche.

Fazit

Fazit: Bio boomt, aber die Meinungen in Sachen Gesundheit, Geschmack und Nachhaltigkeit gehen auseinander. Sowohl biologische als auch konventionelle Produkte weisen von Fall zu Fall Stärken und Schwächen auf. Fakt ist: Der Bio-Trend zeigt, dass Konsumenten zunehmend Wert auf die Herkunft, den Anbau und die Qualität von Lebensmitteln legen – und Wertschätzung für Nahrung und ihre Produktion ist in jedem Fall wichtig.

FAQ

Wie hoch ist der Bio-Anteil im Gesamtmarkt für Lebenmittel?

Trotz hoher Nachfrage lag der Bio-Anteil im Gesamtmarkt für Lebensmittel in Deutschland 2022 bei nur 6,3 %. Den höchsten Anteil gab es in Dänemark mit 12 %, gefolgt von Österreich mit 11,5 % und der Schweiz mit 11,2 %

Wie hoch war der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in 2021 und 2022

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln erreichte im Jahr 2021 in Europa einen neuen Spitzenwert von 54,5 Mrd. € und sank im Jahr 2022 leicht auf rund 53 Mrd. €.

Wie viele Produkte trugen 2023 das deutsche Bio-Siegel?

Im Jahr 2023 trugen mehr als 105.000 Produkte von rund 7.000 Unternehmen das deutsche Bio-Siegel.

Wie lange gibt es das deutsche Bio-Siegel schon?

Im September 2026 wird das sechseckige deutsche Bio-Siegel 25 Jahre alt.

Wie viele Bio-Höfe gibt es in Deutschland?

In Deutschland gab es 2023 insgesamt 36.535 Bio-Höfe. Das sind rund 14,3 % aller Landwirtschaftsbetriebe.

Auf wieviel Prozent soll der Anteil der ökologischen Anbaufläche in Deutschland ausgeweitet werden?

Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der ökologischen Anbaufläche von heute rund 12 % bis 2030 auf 30 % auszuweiten.

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