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Gerichte mit Geschichte

Sie sind Klassiker auf internationalen Speisekarten: Fürst-Pückler-Eis, Crêpes Suzette oder die Bismarck-Heringe. Aber wie kamen die bekannten Gerichte zu ihren prägnanten Namen?

Es ist offensichtlich, woher die Schweinshaxe mit Knödeln ihren Namen hat – häufig sind Gerichte einfach nach den Zutaten benannt, aus denen sie bestehen. Oder nach dem Ort, an dem sie ursprünglich serviert wurden, so wie das Leipziger Allerlei oder die Königsberger Klopse. Um einige Speisen jedoch ranken sich kuriose Geschichten, vom Kochunfall bis zur Hommage an eine Geliebte. Amüsante Anekdoten für den Gastraum.

Einst besuchte der britische Kronprinz und spätere König Edward VII. mit einer 18-köpfigen Gästeschar das legendäre Café de Paris in Monte Carlo, um Silvester zu feiern. Der 14-jährige Kochlehrling Henri Charpentier sollte ihm am Tisch Crêpes zubereiten. Doch als der Likör für die Soße plötzlich Feuer fing, musste der Junge schnell improvisieren. Er probierte unauffällig die entflammte Marinade mit einem Crêpe, gab noch mehr Likör und etwas Zucker hinzu und tischte dem Thronfolger kurzerhand den Küchenunfall als Novität auf. Als der erstaunte Edward das Dessert probierte, war er überaus angetan. Geschmeichelt lehnte er den Vorschlag Charpentiers ab, es fortan Crêpe Princesse zu nennen. Stattdessen widmete er sie galant seiner schönen Begleitung, die den Namen Suzette trug.

Crepes Suzette
Fürst Pückler Eis

Fürst Hermann von Pückler-Muskau war vor allem leidenschaftlicher Reiseschriftsteller und Gartenarchitekt. Regelmäßig zu Gast am Hofe von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., kam er in den Genuss einer Kreation des königlich-preußischen Hofkoches Louis Ferdinand Jungius. Es war ein Demi-Glace mit viel Sahne und Früchten, das in drei Schichten in eine Form gefüllt war. Der Koch widmete dem begeisterten Fürsten sein Schichtdessert und notierte das Rezept 1839 in seinem Kochbuch als Fürst-Pückler-Eis.

Ein weiterer adeliger Namensgeber für ein bekanntes Dessert war Kaiser Franz Joseph von Österreich. Eines Tages setzte ein Patissier des kaiserlichen Hofes der figurbewussten Gattin Kaiserin Elisabeth einen neuen Nachtisch aus „Omelettenteig“ und „Zwetschkenröster“ vor. Als Sisi die kalorienmächtige Speise mit Blick auf ihre Diät ablehnte, sprang der Kaiser ganz charmant für seine Gattin ein und verputzte ihre Portion mit den Worten: „Na geb' er mir halt den Schmarrn her, den unser Leopold da wieder z'sammenkocht hat.“ Doppelte Portion – doppeltes Glück. Das Gericht hat ihm so gut gemundet, dass es fortan „Kaiserschmarrn“ hieß.

Kaiserschmarrn
Bismarck Hering

Auch über den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck und die Heringslappen in saurer Marinade erzählt man sich viele Geschichten. „Wenn Heringe genauso teuer wären wie Kaviar, würden ihn die Leute weitaus mehr schätzen“, soll der Reichskanzler gesagt haben. Ob er sie zuerst bei einem Frontbesuch in Flensburg während des deutsch-dänischen Krieges vorgesetzt bekam oder ein Fischhändler aus Stralsund ihm ein Fass eingelegter Heringe direkt nach Berlin schickte, ist ungeklärt. Eine andere Version behauptet, dass Bismarcks Leibarzt ihm den Fisch gegen eine Krankheit verschrieb, woraufhin dieser tatsächlich genesen sei. Sicher ist: Bismarck blieb zeitlebens ein großer Fan der Fischspeise.

Um das Filet Wellington ranken sich sogar Erzählungen aus 2 Jahrhunderten: Charles Senne habe anlässlich der Internationalen Kochausstellung 1930 in Zürich das berühmte Rinderfilet in Blätterteig mit pürierten Pilzen und Schalotten erfunden. Oder aber es war bereits ein Jahrhundert zuvor auf den Tisch gekommen. Der Duke of Wellington soll die aufwendige Fleischzubereitung– nach siegreicher Schlacht gegen Napoleon 1813 in Spanien – in einem Bauernhaus serviert bekommen haben. Nach nur einem Bissen erklärte das Filet Wellington prompt zu seinem Leibgericht.

Schöne Geschichten, aber entsprechen sie der Wahrheit? Das lässt sich häufig nicht eindeutig belegen. Für den Genuss spielt das ohnehin keine große Rolle.

Beef Wellington

Zarte Röllchen für eine Achterbahn des Geschmacks

Passt Erlebnisgastronomie in einen Eisbecher? Bei Costa Demirtzis auf jeden Fall. Er serviert in Düsseldorfs erster Ice-Rolls-Eisdiele, dem Rollacosta, gefrorene Süßspeisen – eine ganz besondere Geschmackswelle.

Michael Wankerl, Gerüchteküche

Zurück zu den Wurzeln

Wenn Michael Wankerl mit Sellerie kocht, findet man nicht viele andere Dinge auf dem Teller. Klingt eintönig? Es ist tatsächlich alles andere als das. Konsequent lokal und naturnah: ein Beispiel für nachhaltige Gastronomie.


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