Kann man heute schon in der Zukunft schlafen und essen?

Die Zukunft hat längst begonnen. Weltweit experimentieren unabhängige Unternehmer mit innovativen Hotel- und Restaurantkonzepten. Wir stellen fünf aufregende Konzepte vor.

Brlo Brwhouse

Brlo Brwhouse, Berlin
© Seren Dal

Das modulare Gebäude der Craft Beer-Brauer von Brlo besteht aus Überseecontainern und vereint als Konzept Brauerei, Restaurant und Biergarten. Während mehr als 20 experimentelle Craft-Beer-Sorten aus den Hähnen fließen, bringt die Küche Bier und Speisen auf ein neues Level. Angetrieben vom Star des Menüs: Gemüse – egal ob fermentiert, eingelegt, gesmoked oder in Salzkruste gegart. Das wertvolle Grün wird im ersten kommerziellen Farming Container Europas auch teilweise selbst angebaut. Für all das gab's viele Preise. Unter anderem den IDA Award für Nachhaltigkeit und den Prix Versailles 2017.

brlo-brwhouse.de

Vollkommen neu ist das nicht: Essen, das aus dem Drucker kommt. Ein Restaurant, in dem neben den Gerichten auch Mobiliar oder Geschirr gedruckt werden, allerdings schon. Das Team der niederländischen Firma 3D By Flow eröffnete 2016 in der Old Truman Brewery im Londoner Stadtteil Shoreditch ein dreitägiges Pop-Up-Restaurant. Das zunächst nur temporär gedachte Lokal ist so erfolgreich, dass es nun um die Welt tourt. Hauptverantwortlich für das kulinarische Konzept ist der spanische Sternekoch Mateo Blanch. Gemeinsam mit Technologen, Künstlern und Köchen zaubert er Neun-Gänge-Menüs aus dem Drucker.

foodink.io

Große Einkaufsstraßen, in denen sich das Geschehen zentriert, während in den Seitenstraßen viele Einzelhändler schließen: Dieses Phänomen ist in zahlreichen Großstädten zu beobachten. Grätzlhotel in Wien setzt dieser Entwicklung modernen Tourismus entgegen. Freistehende Ladenlokale werden zu Hotels umgewandelt. So leben die Gäste nicht nur mitten in der Nachbarschaft, sondern interagieren mit ihr - "Grätzl" ist der Wiener Ausdruck für Kiez oder Viertel.
Die erdgeschossigen Zimmer heißen gemäß ihrer Ladenlokal- Vorgeschichte "Leuchtenmacherin" oder "Der Schuster". Ein Hospitality-Konzept, das die Individualität einer Privatwohnung mit der Um- und Versorgung eines Hotels kombiniert.

graetzlhotel.at

Graetzlhotel

Grätzlhotel, die Lampenschirmmacherin, Wien
© Heidrun-Henke

Zoku

Zoku, Amsterdam
© Ewout Huibers

Treppen, die sich in Wände schieben lassen, sind nur eins von vielen Beispielen, die einen staunen lassen. Es gibt viel zu entdecken im Zoku, einem neuartigen Hybrid aus Hotel, Co-Working und Co-Living-Space im beliebten Amsterdamer Viertel Oost. Ein- und Auschecken geht per Zoku App, statt Zimmerservice gibt es einen 24-Stunden geöffneten "Everything Store". Und: Das freundliche Personal lässt das Erlebnis, das einen Hotelaufenthalt immer noch ausmacht, durch all das nicht vergessen. Die Zimmerpreise im Zoku werden günstiger, je länger man bleibt. Was einem - egal ob als Tourist, Geschäftskunde oder digitaler Nomade - nicht sonderlich schwer fallen sollte, sobald man angekommen ist. Und oben erlaubt die Terrasse einen wunderbaren Blick über die niederländische Metropole.

livezoku.com

Enigma Koch

Enigma, Barcelona
© PepoSegura

Enigma drinnen

Enigma, Barcelona
© PepoSegura

Enigma Küche

Enigma, Barcelona
© PepoSegura

Niemand auf der Welt macht Restaurants wie Albert Adrià. Und wenn der spanische Starkoch (und jüngere Bruder von Ferran Adrià) verkündet, einen Ort zu schaffen, der "neu erfinden soll, wie wir Restaurants begreifen", dann ist Spektakuläres zu erwarten. Adrià hält Wort: Sein Anfang 2017 eröffnetes Enigma betritt man mit einem Barcode, um dann für mehrere Stunden durch ein 7.534 Quadratmeter großes Wunderland zu wandern - was wörtlich zu verstehen ist. Gerade mal 24 Plätze sind pro Abend für Gäste vorgesehen. Sie konsumieren bis an die 40 Gänge, in denen die Aggregatzustände verschmelzen. Trotz allem ist die Stimmung nicht elitär. Dem Starkoch ist es ein wichtiges Anliegen das Essen und den Gast in den Fokus zu stellen.

enigmaconcept.es

 

Aufmacherbild: © PepoSegura