Können wir von der Natur leben, ohne sie auszubeuten? (Teil 3/4)

Permakultur ist eine Form des biologischen Landbaus, bei der Anbauflächen geschaffen werden, ohne Ressourcen zu verschwenden oder Lebensräume zu verdrängen. Friedrich Lehmann von lehmann natur, ist überzeugt, dass das der Weg sein wird, die Weltbevölkerung zu ernähren. Warum, erklärt er in Teil 3 unserer Permakultur-Serie.

Ich bin überzeugt, dass wir mit Permakultur und organischer Landwirtschaft zwölf Milliarden Menschen ernähren können.

Friedrich Lehmann

 

Friedrich Lehmann ist vom Konzept der Permakultur fasziniert. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der Großhändler für Bioobst und -gemüse mit diesem Ansatz und realisiert ihn auf seinen Anbauflächen in Spanien - mit viel Geduld, großer Begeisterung und beeindruckendem Idealismus. Das Obst und Gemüse von seinen Fincas liefert er über sein Unternehmen "Lehmann Natur" an Real.

Ein früher Morgen im Spätseptember. Über den Feldern der Finca Jelanisol im andalusischen Gibraleón geht die Sonne auf. Obwohl es seit fast fünf Monaten nicht mehr ergiebig geregnet hat, stehen Bäume und Sträucher in kräftigem Grün. Statt eintöniger Monokultur, wie sie in Andalusien häufig zu sehen ist, herrscht hier botanische Vielfalt: Granatapfelsträucher und Orangenbäume, Kräuter und Blumen, Sukkulenten und hohe Hecken - auf Jelanisol ist Diversität Programm. Das war nicht immer so. "Als wir die Finca vor 20 Jahren übernommen haben, wurden hier Monokulturen in konventionellem Landbau bewirtschaftet", erzählt Friedrich Lehmann, der Besitzer der Finca. "Uns ist irgendwann klar geworden, dass dies nicht der Weg für die Zukunft sein kann. Deshalb haben wir angefangen, den Betrieb auf permakulturellen Anbau umzustellen.“

Wenn wir die Natur achten, produziert sie im Überfluss.

Friedrich Lehmann

Permakultur ist eine Form des biologischen Landbaus, bei der Anbauflächen geschaffen werden, ohne Ressourcen zu verschwenden oder Lebensräume zu verdrängen. Der sparsame Umgang mit Wasser sowie der Verzicht auf künstliche Dünger, Pestizide, Herbizide und Fungizide sind wichtige Prinzipien dieses Ansatzes. So weit die Theorie. Wer das ganzheitliche Konzept wirklich verstehen will, kommt am besten nach Jelanisol. Beim Rundgang über die 52 Hektar große Finca wird schnell deutlich, wie das System funktioniert. Ein entscheidender Faktor ist der Boden – genauer gesagt: die Humusschicht, die hier sorgfältig aufgebaut wird. Sie enthält Mikroorganismen sowie Nährstoffe und ist ein wichtiger Wasserspeicher. Gräser, Blumen, wilde Minze und Fenchel wachsen ungestört zwischen den Obst- und Gemüsepflanzen und schützen den Boden vor dem Austrocknen. Geschwungen angelegte Felder verhindern, dass das Wasser zu schnell abläuft und der Boden erodiert. Terrassenartige Hecken dienen als Windschutz und „Tierhotel“.

„Für uns steht außer Zweifel, dass Permakultur mit organischer Landwirtschaft langfristig der einzige Weg sein wird, die Weltbevölkerung zu ernähren“, betont Friedrich Lehmann. Dass sich das Konzept auch wirtschaftlich auszahlt, hat er längst unter Beweis gestellt: Zwischen 600 und 750 Tonnen Obst und Gemüse pro Jahr erntet er mit seinem saisonal auf rund 30 Mitarbeiter anwachsenden Team. „Je stärker wir den Boden aufbauen und je besser wir die Natur verstehen, desto höher wird der Mengenertrag. Aber uns interessiert nicht primär die Menge, sondern vor allem die Qualität.“ Und wie gut die ist, davon kann sich jeder Verbraucher in Deutschland selbst überzeugen. Denn den Großteil der Ernte – vor allem Granatäpfel, Kumquats, Mangos und Avocados – liefert Friedrich Lehmann direkt nach Deutschland an die Real Hypermärkte.

Permakultur

"Traue nicht dem Ort, an dem kein Unkraut wächst." - das geflügelte Wort definiert gleichzeitig den Anspruch an Permakultur, die heute neben Landbau auch auf Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen einwirkt. Nach Bill Mollison, Australier und Co-Gründer der Philosophie, hat Permakultur zum Ziel, landwirtschaftlich produktive Ökosysteme zu schaffen, die die Artenvielfalt, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Mollison entwickelte die Idee als Gegenentwurf zur industrialisierten Agrarwirtschaft Mitte der 1970er Jahre. 1978 veröffentlichte er mit "Permaculture One" sein erstes Buch zu dem Konzept. 1981 wurde er für seine Arbeit mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

 

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WWF-Studie: In der WWF-Studie "Das große Wegschmeißen" von 2015 wird weltweit von Verlusten von 30 bis 40 Prozent vom Feld bis zum Teller ausgegangen.

Mehr Infos: Das grosse Wegschmeissen


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