Waren Bewegen

Hier greift alles ineinander

Von Butter über Backfisch bis zum Basilikum: Bestellungen, die Gastronomen, Hoteliers oder andere Gewerbetreibende heute Abend aufgeben, sind morgen Früh da – sicher verpackt, frisch und einsatzfertig. Möglich machen das perfekt aufeinander abgestimmte Tools im FSD-Depot.

Die Fahrt zum Großmarkt: überflüssig. Bis zur gewünschten Uhrzeit ist alles geliefert – ganz ohne Suchen, Packen, Schlangestehen. Ermöglicht durch Food Service Distribution, oder kurz: FSD. Die Belieferung ergänzt das weite Netz an METRO Großmärkten (siehe Infokasten). Die Idee: Für den Kunden soll der Ablauf möglichst schnell und bequem sein. Doch so simpel der Prozess von außen scheint – dahinter steckt komplexe Technik, die genau ineinandergreifen muss.

„Für den Kunden ist es ein Ende-zu-Ende-Prozess“, sagt Paweł Król, der als Produktmanager und Entwickler bei METRO-NOM an den Tools arbeitet, die hinter den Kulissen eines FSD-Depots funktionieren müssen. Die eigenständigen Depots sind eines von 3 operativen Modellen des Belieferungsgeschäfts – neben dem Out-of-Store-Modell, bei dem der Kunde aus dem Bestand eines METRO Großmarkts geliefert wird, und solchen Depots, die sich räumlich innerhalb der Örtlichkeit eines Großmarkts befinden, jedoch warenwirtschaftlich eine eigene Einheit bilden. Die eigenständigen FSD-Depots hingegen sind reine Warenlager und Umschlagplätze ohne Anbindung an einen METRO Markt.

Keine Kunde, der die Ware verbaselt

Die eingesetzte Technologie ist zwar auch für Depots verfügbar, die an einen Großmarkt angeschlossen sind. Doch es gibt einen wesentlichen Faktor, der reine FSD-Depots von den Märkten unterscheidet: „Der offensichtlichste Unterschied ist, dass sich in einem reinen FSD-Depot keine Endkunden bewegen“, erklärt Król. Was insofern – durch die IT-Brille betrachtet – von Vorteil ist, als dass Warenbestände daten- und zahlenmäßig exakt und vergleichsweise sicher erfasst werden können, da keine Kunden durch die Gänge stromern und Artikel unvorhersehbar entnehmen. Das macht die Abläufe im FSD-Depot gut steuerbar.

Metro Algorithmus im Lager

Insgesamt 30 solcher Depots betreibt METRO weltweit. Ein besonders modernes Lager befindet sich in Polen, nahe Warschau. In diesem sogenannten „Lighthouse-Depot“, das als Vorbild für weitere Häuser dient, greifen 3 IT-Lösungen und 2 Domains ineinander – für den Kunden unsichtbar: M-Shop, M-Fulfill und M-Transport. M-Shop bildet die Schnittstelle zum Kunden: Über den Online-Shop können METRO Kunden ihre Bestellungen und verschiedene Zustellmöglichkeiten, einschließlich FSD, aufgeben. Die E-Commerce-Plattform gibt es derzeit in 19 METRO Ländern; HoReCa-Kunden geben durchschnittlich 150.000 Bestellungen pro Woche auf.
Metro Algorithmus im Lager 3
Das zweite Tool stellt sozusagen das Gehirn und Schaltzentrum des Depots dar: M-Fulfill weiß, wo welche Artikel im Regal liegen. Und es steuert: Wo muss der Mitarbeiter, der die Bestellung packt (ein sogenannter Picker) hin? Welche Bestellungen lassen sich beim Packen kombinieren? Gerade dieses „Multi-Order-Picking“ spart enorm Zeit: Anstatt alle Bestellungen nacheinander abzuarbeiten und dabei möglicherweise dieselbe Route x-mal abzulaufen, weil mehrere Kunden gleiche oder nah beieinander einsortierte Produkte bestellt haben, erkennt das System, welche Bestellungen sich intelligent zusammen bearbeiten lassen. Der smarte Algorithmus im Hintergrund berechnet dabei auch die Art und Anzahl der Artikel – denn es dürfen wiederum auch nicht zu viele werden, da sonst der Gabelstapler, mit dem der Picker unterwegs ist, zu voll wird. M-Fulfill stellt zudem sicher, dass alle Regale rechtzeitig mit den bestellten Mengen aufgefüllt werden, damit der Picker während des Packens alles vorfindet, was er benötigt.

Was ist FSD?

Als Omnichannel-Anbieter kombiniert METRO ein Netz moderner Großmärkte mit einem umfangreichen Lieferservice, genannt Food Service Distribution (FSD): Kunden bestellen Artikel online oder telefonisch und erhalten sie zum vereinbarten Zeitpunkt geliefert. Diese Art des Einkaufs ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden – und nimmt weiterhin an Bedeutung zu. Zum Belieferungsgeschäft zählen u. a. der METRO Lieferservice  sowie die Belieferungsspezialisten Classic Fine Foods, Pro à Pro und Rungis Express. Classic Fine Foods versorgt Premium-Kunden in Asien und im Mittleren Osten mit Feinkost und vielfältigen Produkten. Pro à Pro beliefert gewerbliche Kunden in ganz Frankreich, insbesondere die Betriebs- und Systemgastronomie sowie Kantinen. Rungis Express ist als deutscher Premium-Lebensmittellieferant auf Hotels, Restaurants und Cateringunternehmen (HoReCa) spezialisiert. In 10 der insgesamt 34 METRO Länder stellt das Belieferungsgeschäft den Kern der Geschäftstätigkeit dar.

Dienstleistungen wie das Belieferungsgeschäft sind ein Teil des Strategieansatzes Wholesale 360. Mehr über die 6 strategischen Themenfelder im Geschäftsbericht 2019/20.


Systeme, die Schnelligkeit und Effizienz erhöhen

Das dritte beteiligte Tool, M-Transport, plant die Auslieferungen – und zwar bereits vor dem Packen der Bestellungen. Das System teilt M-Fulfill mit, bis wann die Kisten für welche Tour fertig gepackt sein müssen, damit dieses den Pickern die Aufträge in der entsprechenden Reihenfolge zuordnet. „Nebenbei“ optimiert M-Transport die Touren, indem es berechnet, welche Auslieferungsfahrten logistisch clever auf einer Strecke liegen, welches die kürzeste Route ist, und wann der Fahrer eine Pause machen muss. Am Ende erfolgen mittels IT denn auch Reporting und Controlling: Durch die genaue Erfassung werden Reklamationen und Stornierungen, Produktivität und Auslastung tagesaktuell berichtet.

METRO Algorithmus im Lager

Das alles geschieht – zumindest vermeintlich – automatisch. In Wahrheit stecken dahinter freilich komplexe IT-Entwicklungen und -Prozesse. Nicht zum Selbstzweck, sondern um Schnelligkeit und Effizienz zu erhöhen. So kennt das System nicht nur die Menge der vorhandenen Waren, sondern auch die Ablaufdaten – und kann entsprechend darauf hinweisen. Durch das Scannen von Barcodes sowohl der einzelnen Produkte, als auch der Boxen und des Etiketts, das pro Bestellung individuell erstellt wird, warnt das System, wenn Artikel oder gar ganze Boxen fehlen. Die Mitarbeiter im Depot arbeiten dafür mit einem Handheld-Gerät, das alle Systeme und Informationen bereithält.

Weiterhin entscheidend: Der Faktor Mensch

„Früher waren die Bestell-Listen auf Papier, das kostete Zeit und war fehleranfälliger“, sagt Król. Jetzt läuft im Depot nahezu alles papierlos. Das Ziel aller Bemühungen: Fehler so früh wie möglich zu erkennen – um Kunden den besten Service zu bieten und gleichzeitig so effizient wie möglich zu arbeiten. „Die Picker sollten während ihrer Arbeit keinerlei Probleme erleben, sondern alles reibungslos erledigen können.“ Denn nach wie vor sind Menschen die wichtigsten Faktoren im Depot. Sie picken nicht nur die Waren, sondern leisten auch das, was Computer nicht können: eine faule Tomate erkennen (was aller Technik zum Trotz eben vorkommen kann), sensible Ware besonders sorgsam einschlagen, oder darauf achten, dass beispielsweise Waschpulver nicht neben Bananen gepackt wird, um Gesundheitsrisiken und Geschmacksveränderungen zu vermeiden. „Die Arbeit im Depot ist nach wie vor von Menschen geprägt”, betont Król deshalb auch. „Für uns geht es darum, dass Menschen den besten Job machen – unterstützt von IT.“

Im Sommer 2020 erreichten die FSD-Depots in Polen täglich rund 600 bis 650 Bestellungen. Der tägliche Durchschnitt an Bestellungen – unabhängig, ob im FSD-Depot oder im Markt – bei METRO weltweit beläuft sich auf insgesamt etwa 33.000. Gut 22.000 davon werden durch M-Fulfill verarbeitet. Die Software-Lösung kommt in 450 Märkten und Depots zum Einsatz. 9 davon arbeiten bereits mit dem neuartigen ganzheitlichen Warehouse Management System (WMS).


Auch Interessant