Au, Backe(n) – es weihnachtet sehr!

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Steinharte Kekse und matschige Kuchen: Wenn Freunde und Familie im Advent „in der Weihnachtsbäckerei“ stehen, ob aus Selbstüberschätzung oder Mangel an besseren Ideen, brauchen talentfreie Bäcker und die ratlosen Beschenkten Nerven wie alte Printen. Zum Fest trifft fehlgeleitete Liebe auf freundlich geheuchelte Freude, meint unsere Kolumnistin Maria.

Geschmackssache

Es gibt diese Fernsehwerbung, die behauptet, Backen sei Liebe. Mag sein, dass das oft sogar stimmt. Aber Liebe neigt nicht zur Vernunft. Und im Wörtchen Amateur steckt zwar, dass der Mensch liebt, was er tut, aber eben nicht, dass er es auch kann. Weihnachten ist die Zeit im Jahr, in der wir uns auf die Liebe besinnen. Wen wundert es also, dass wir gerade in der Weihnachtszeit immer wieder feststellen dürfen: Weder die Liebe zum Backen noch die Liebe zum Beschenkten führt zwangsläufig zu genießbarem Gebäck.

Eins vorweg: Ich will hier nicht den Grinch spielen und Weihnachten vermiesen. Ihr backt wirklich gern? Von Berufs wegen? Oder mit euren Kindern? Und die Leute fragen schon vorfreudig, wann es wieder diese leckeren Zimtsterne gibt? Dann lasst den Ofen glühen!

Aber der Keks hat auch seine dunkle Seite: Wenn im Radio „Last Christmas“ und „In der Weihnachtsbäckerei“  dudeln und Kerze für Kerze am Kranz der Countdown brennt, werden sonst hyggelig dekorierte Wohnküchen zum Winterwunderland unter weißem Mehlstaub. Die riesengroße Kleckerei, im Kinderlied  noch eine lustige Sache, führt dort zu wenig jugendfreien verbalen Ausbrüchen. Gäbe es den alten Herrn mit weißem Rauschebart, ob St. Nikolaus in himmlischen Höhen oder Santa Claus am Nordpol, er säße rotgesichtig schwitzend über seinem goldenen Buch, um zu notieren: alles böse Jungen und Mädchen.

Panzerplätzchen und Löffelkuchen

Auch für die Beschenkten ist der Weg zum moralischen Fehltritt kurz und gepflastert mit extra-dunklen Panzerplätzchen. Wie diese loben, ohne zu lügen? Mit eisernem Lächeln und voller Beißkraft einen der dunklen Sterne zwischen den Zähnen knacken und freudig hervorbröseln: „Hm, Zahnpflegekekse. Wie aufmerksam. Ich dachte, die gibt es nur für Hunde.“ Eher nicht. Eine talentfreie Bäckerin in meinem Freundeskreis ist dazu übergegangen, dem Beschenkten gleich einen Lob-Vorschlag zu unterbreiten, zum Beispiel: „Schau, mein Bratapfel-Käsekuchen ist gar nicht so pappig, wie die sonst sind. Ganz saftig!“ Zustimmung. Wir haben ihn mit Löffeln gegessen.

Und die Moral von der Geschicht?

Vielleicht ist ja Ehrlichkeit die höchste Form der Liebe: Ehrlich eingestehen, dass man das Backen lieber einem Profi überlässt, und sich darauf beschränkt, mit Liebe einzukaufen im Café oder beim Bäcker. Wer es bequem mag und sich mit nichts anderem als weihnachtlicher Freude anstecken lassen will, der kann sogar mit Liebe online bestellen – wenn der Lieblingsladen schon im Netz zu finden ist.

So könnte es dann in mancher Stube aufrichtig heißen: „Meine Lieben, ich habe nicht für euch gebacken.“ Pause für unterdrückten Jubel. „Eure Plätzchen sind mit Liebe gekauft.“ Die Beschenkten antworten mit dem vielleicht ehrlichsten „Oh, danke!“, welches das Weihnachtsfest je gehört hat. Die Küche ist sauber geblieben. Und auch der alte Herr mit dem Rauschebart – ob nun Nikolaus oder Santa – lächelt zufrieden über seinem goldenen Buch – ach nein, den gibt’s ja nicht.