Grenzen Bewegen

Mehr Frische, weniger Müll

Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung setzt die Bundesregierung auf intelligente Verpackungen. Seit Oktober suchen Forscher gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft nach neuen Lösungen. Auch METRO ist dabei.

Wer hat es nicht schon einmal getan? Auf der Suche nach dem frischesten Apfel den Korb mit den Äpfeln im Supermarkt komplett durchwühlt oder seinen Kopf tief in die Tiefkühltruhe gesteckt, um die haltbarste Pizza zu finden? Wenn es um Lebensmittel geht, steht bei qualitätsbewussten Essern „Frische“ an oberster Stelle. Nahrungsmittel, die uns nicht frisch genug erscheinen oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) (fast) erreicht ist, lassen wir gerne links liegen.

Doch dieses Konsumverhalten, vor allem aber die fälschliche Gleichsetzung des MHD mit Genießbarkeit – eigentlich ist es bloß die Grenze, bis wann die Hersteller die Produktqualität unter optimalen Lagerbedingungen garantieren – sorgen dafür, dass jedes Jahr viele Lebensmittel in den Papierkorb gelangen. Nach Angaben der Bundesregierung sind das rund elf Millionen Tonnen. Vieles davon könnte vermieden werden, wenn es valide Informationen über die tatsächliche Haltbarkeit des Produkts und das Datum gibt, an dem es sicher konsumiert werden kann. So aber entstehen unnötiger Müll und mit ihm zusätzliche Kosten sowie unnötiger Energie- und Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen.

 

Verpackung gegen Müll

Um das zu ändern, unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Forschung an Lösungen für "intelligente Verpackungen". Bereits Im Oktober 2018 startete ein mit 1,8 Millionen Euro dotiertes Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Bonn, Bayreuth, den Fachhochschulen Brühl und Münster sowie den Lebensmittelspezialisten Wolf Wurstspezialitäten, Genusshandwerker und METRO AG.

Bis 2021 ist die Entwicklung eines intelligenten Verpackungssystems (Intelli-Pack) geplant, das die verbleibende Haltbarkeit eines Produkts an jedem Punkt der Lieferkette basierend auf Temperaturinformationen anzeigt. "Die Haltbarkeit und Qualität temperaturempfindlicher Produkte wird stark von Temperaturschwankungen beeinflusst, die nach der Produktion auftreten können, weshalb die Sicherstellung der richtigen Temperatur in allen Phasen der Lieferkette ein sehr kritischer Faktor ist", sagt Nikolaos Bessas, Leiter Global Supply Chain Quality Assurance der METRO AG. So können Lebensmittel noch vor Ablauf des MHD verderben, wenn sie zum Beispiel zu warm gelagert wurden.

 

Unsichtbare Messstation

"Smart Packaging"- Lösungen können solche Abweichungen messen. Dazu nutzen sie entweder Frische-Indikatoren, die den Stoffwechselveränderungen während des Verderbs von Lebensmitteln entsprechen, oder Zeit-Temperatur-Indikatoren, die die im Laufe der Zeit erhaltene "Wärmebelastung" bei Temperaturschwankungen erkennen. Die Zeit-Temperatur-Indikatoren können Farbetiketten sein und je nach Zeit-Temperatur-Kombination die Farbe ändern.

Solche Etiketten können etwa die Farbe von dunkelblau über hellblau bis hin zu keiner Farbe ändern und so den Zwischenhändlern oder dem Endkunden/Verbraucher den Status der Lebensmittelsicherheit der Produkte anzeigen. Bessas fasst das zusammen: "Eine solche Lösung wird die logistischen Prozesse weiter optimieren und die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln durch ein effizienteres Management und eine bessere Sichtbarkeit der Kühlkette verbessern."

Gemeinsam für mehr Frische

Während in den USA und Schweden intelligente Etiketten bereits eingesetzt werden, ist die Lebensmittelbranche in Deutschland bislang zurückhaltend. Die Befürchtungen: Der Konsument könnte Waren mit verfärbtem Frische-Anzeiger liegen lassen oder das Vertrauen in eine Marke verlieren, wenn er bei ihr öfter auf farblich veränderte Etiketten trifft . Intelli-Pack ist daher Pionierarbeit; die enge Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen Einrichtungen und den Industriepartnern wichtig, um ein marktreifes Produkt zu schaffen.

Während die Wissenschaftler das Know-How der Unternehmen nutzen, um wichtige Erkenntnisse über Anforderungen an unterschiedliche Lieferketten zu erhalten, ziehen die Unternehmen aus der Forschungsarbeit einen Wettbewerbsvorteil. So hofft METRO durch diese Zusammenarbeit die Qualität und Transparenz noch weiter zu stärken.

„Die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte hat bei METRO oberste Priorität“, sagt Bessas. „Wir überprüfen die Einhaltung unserer Qualitätsanforderungen sowie Umwelt- und Sozialstandards und arbeiten eng mit unseren Lieferanten zusammen. Intelli-Pack kann uns darüber hinaus helfen, die Kontrolle der Kühlkette unserer Produkte zu vereinfachen und effizienter zu gestalten". Mit der neuen Verpackungslösung verstärkt METRO den Kampf gegen Lebensmittelabfälle,

und versucht auch, eine Verpackungslösung zu entwickeln, die umweltfreundlich ist. [Vom gutem Rest - Unsere Strategie für einen besseren Umgang mit der Ressource Nahrung]. Das ist sicher ein zusätzlicher Ansporn.

 

Wie geht’s weiter mit Intelli-Pack?

Intelli-Pack sollte im September 2021 fertig sein. Der Prototyp wird auch eine Smartphone-App beinhalten, die nicht nur die aktuelle Haltbarkeit, sondern auch Informationen über Inhaltsstoffe und Rückverfolgbarkeit liefert. Außerdem wird es eine Online-Plattform geben, die bei der Umsetzung intelligenter Verpackungen hilft. Nach der Konzeptphase, in der im letzten halben Jahr Anforderungsprofile an intelligente Verpackungen für verschiedene Lebensmittel und Supply-Chains erarbeitet wurden, werden nun die bereits bestehenden intelligenten Verpackungssysteme weiterentwickelt sowie Modelle zur Vorhersage der Resthaltbarkeit in Echtzeit getestet. Es folgt die Integration in das bestehende Rückverfolgbarkeitssystem der METRO sowie die Entwicklung nachhaltiger sensorischer Verpackungen für den Online-Handel.

Um das zu ändern, unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Forschung an Lösungen für "intelligente Verpackungen".

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