Waren Bewegen

Belieferung - Zustellung mit Köpfchen

Der Online-Handel blüht. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen die Menschen wegen des Corona-Virus gezwungenermaßen häufig von zuhause oder aus dem Büro Waren bestellen. Die Logistik ächzt – vor allem auf der letzten Meile. Zum Glück gibt es Belieferungskonzepte, die das Zeug zur Transportzukunft haben. Auch bei METRO.

Wer innerstädtisch lebt weiß: Parkplatz ist knapp, das Be- und Entladen kaum möglich, die Zufahrtsregelungen sind streng. Die Folge für Paketdienstleister? Quer und flugs geparkte Zustellwagen. Ein überlasteter urbaner Raum, der auf den online bestellten Warenansturm nicht vorbereitet ist. Im Gegenteil. Weil die Stadtzentren entlastet, Verkehr verlagert oder am besten gleich vermieden werden soll, bleiben für den täglichen Paketaustausch entlang der Gehwege immer weniger Möglichkeiten. Da Experten davon ausgehen, dass künftig jeder einzelne Haushalt zum potenziellen Warenempfänger wird, schwelt ein logistischer Zielkonflikt. Vor allem auf der letzten Meile raucht es, jenem finalen Abschnitt bis zur Gutübergabe, der besonders zeitintensiv, teuer und knifflig für die Paketdienstleister ist. Wir haben uns Belieferungskonzepte angesehen, die einen Ausweg aus dem dampfenden Dilemma versprechen:
Delivery Cargo Bike
Die urbanen Lärm- und Feinstaubgrenzwerte sind zu hoch. Hilfe verspricht das Lastenrad. In Hamburg etwa hat Hermes jüngst ein dreimonatiges Pilotprojekt mit Lastenrädern und mobilen Verteilzentren für die letzte Meile gestartet. Bis 2025 will das Unternehmen die 80 größten Innenstädte Deutschlands emissionsfrei beliefern. Auch die Stadt Bremen hat mit einem großen Logistikunternehmen eine Verteilstation in der City eingerichtet. Von dort düsen die Sendungen dann mit Elektrofahrzeugen, E-Scootern oder Lastenrädern bis zum Empfänger. Lagen für solche Depots zu finden ist allerdings schwierig.
Nicht nur die Frankfurter Verkehrsbetriebe und die Logistikfirma Hermes haben sich am Paket-Transport per Stadtschiene versucht – eine Idee, die gar nicht so neu ist. Bis 1935 etwa lieferte die Berliner Straßenbahn den Menschen ihre Paketpost. In Frankfurt rollten während der Testphase täglich zwei fahrgastlose Trams mit zwei Kisten und jeweils 50 Paketen vom Gutleutviertel bis zur Messe. Auch durch Dresden juckelt neuerdings eine fenster- und sitzplatzlose Güterstraßenbahn und befördert Teile für den E-Golf.
Delivery by tram
Delivery by ship
In Amsterdam werden Frachten schon seit Jahren via Grachtenfahrt verteilt. Auch Venedig setzt auf schwimmende, emssionsarme Kurierdienste. In Göteborg schippern neuerdings außerhalb der Stadt beladene Lastkähne auf dem Fluß Göta Alv in die Innenstadt. Auf den letzten Warenmetern übernehmen dann Lastenfahrräder und Elektrotransporter.
Der lieferbedingte CO2-Ausstoß würde alleine durch die Zustellung beim ersten Versuch minimiert, ließ Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber kürzlich in einem Interview mit der „Deutschen Verkehrs-Zeitung“ wissen. Doch vor allem in Deutschland ist es noch verpönt, ein paar Schritte zu tun, um Waren im ersten Anlauf entgegenzunehmen.

In Polen ist das längst üblich – dank der sogenannten Multi-Drop-Zustellung: mehrere Pakete wandern auf einmal an Paketautomaten oder –shops. Dort können sie vom Empfänger bequem und rund um die Uhr abgeholt werden. Auch der Handelsriese Walmart setzt in den USA auf die Ressource Mensch. Statt in Technologie zu investieren lässt er seine Mitarbeiter Online-Einkäufe auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ausliefern. Freiwillig, versteht sich.
Delivery by human
Delivery by truck
Nachhaltigkeit in der Logistik ist ein wesentlicher Teil der Wertschöpfungskette – auch für den Großhandel. Und Elektromobilität  ist ein Zukunftsthema, das auch den Handel beschäftigt: Eine umweltfreundliche Zustellflotte  des Großhändlers METRO gibt es in Österreich, den Niederlanden und Frankreich.  Im Großraum Wien  ist METRO seit 2017 mit E-Vans, dem METRO Express, unterwegs, mit dem an Gastro-Kunden innerhalb von drei Stunden zugestellt wird. Die Nachfrage und der nachhaltige Erfolg sind groß:  Auch in Graz, Salzburg und Linz gibt es diesen Service nun seit mehr als zwei Jahren. Ein weiterer vollelektrischer 28-Tonnen-E-Truck übernimmt zudem die Warenbelieferung der METRO Märkte im Großraum Wien.
In Zürich etwa haben Mercedes-Benz, der US-Drohnensystementwickler Matternet und der Schweizer Online-Marktplatz siroop die Zustellung durch die Luft getestet. Ergebnis: Drohnen kommen insbesondere für Empfänger in unwegsamen oder sehr bergigen Gebieten und den Transport von Medizin und Lebensmitteln in Frage. Für große und schwere Pakete sind sie (noch) ungeeignet.
Delivery with drohne
Delivery with car
Gleichfalls in den USA können sich Amazon-Nutzer ihre bestellten Waren in den Kofferraum liefern lassen. „Amazon Key“ heißt der Service, der neuerdings außerdem anbietet, Paketboten einen digitalen Schlüssel zum eigenen Haus zu überlassen, damit sie Bestellungen auch dann im Flur abstellen können, wenn niemand daheim ist.

Ein paar Zahlen*:

  • 2018 wurden in Deutschland 3,5 Milliarden Pakete ausgeliefert. In zehn Jahren werden es bereits neun Milliarden Pakete sein.
  • Damit steigt auch der Bedarf an Lieferfahrern auf bis zu 200.000. Im Jahr 2018 waren es noch 90.000 Fahrer.
  • Die meisten Verbraucher bestellen am Wochenende. 30 Prozent mehr Auslieferungen finden am Montag und Dienstag statt.
  • Am Anfang der Woche werden fast doppelt so viele Lieferfahrer benötigt.
  • 77 Prozent der Konsumenten können sich Anreize für die Belieferung mit E-Autos oder Fahrrädern vorstellen.
  • 75 Prozent der Konsumenten können sich die Belieferung des Einzelhandels in der Nacht vorstellen.
  • Experten rechnen damit, dass die klassische Haustürzustellung bereits in zwei Jahren ein Luxusgut sein wird – die nur noch gegen Aufpreis funktioniert.


* Gefüttert mit Daten aus der Analyse „Letzte Meile 2028“ von Oliver Wyman und aus der Studie „Aufbruch auf der letzten Meile – Neue Wege für die städtische Logistik“ von PwC.


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