Vom Reifenhersteller zur Sternegastronomie: der Michelin-Stern

Autoreifen von Michelin sind ein Markenzeichen und weltweit bekannt – weniger bekannt ist, dass die Reifenhersteller auch die Pioniere einer der begehrtesten Auszeichnungen in der Gastronomie sind. Eine Reise vom Reifenhersteller zur Sternegastronomie.

Vom Reifenhersteller zur Sternegastronomie: der Michelin-Stern

Die Bedeutung der Sterne

"Eine sehr gute Küche, die einen Stopp wert ist."

⭐⭐

"Eine hervorragende Küche, die einen Umweg wert ist."

⭐⭐⭐

"Eine außergewöhnliche Küche, die eine Reise wert ist."

Die Koffer sind gepackt, das Auto randvoll. Die Reise kann beginnen – oftmals mit dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Und wer hat mit diesem Gedanken im Gepäck nicht schon einen Umweg eingelegt, einen Zwischenstopp eingeschoben oder eine Abzweigung genommen, um genau das eine, von Freunden wärmstens empfohlene, Restaurant zu besuchen? Ganz intuitiv ist man so dem Konzept der Brüder Michelin gefolgt, die den Michelin-Führer ins Leben gerufen haben.

Die Michelin-Stern-Geschichte

Aber reisen wir zuerst in die Vergangenheit. Nach Frankreich, ins Jahr 1900. Die Brüder André und Édouard Michelin betreiben in Clermont-Ferrand in Zentralfrankreich ein Unternehmen, das Reifen herstellt. Das Geschäft läuft schleppend. Um den Verkauf ihrer Reifen anzukurbeln, entwerfen sie den Michelin-Führer, einen praktischen Wegweiser und Reiseführer für Autofahrer, der Tankstellen, Werkstätten und Landkarten enthält und Orte auflistet, an denen man essen oder übernachten kann. Die Idee: Wer viel fährt, nutzt seine Reifen ab und braucht bald wieder neue. Zur Weltausstellung in Paris im April 1900 gab es als Werbegeschenk – gedacht für die 3.000 Autofahrer, die es damals in Frankreich gab – die Erstausgabe des Guide Michelin.

Ein Stern für gute Küche

Im Laufe der Jahre gewann der Guide an Beliebtheit und Bedeutung, die dort empfohlenen Restaurants listeten die Brüder Michelin nach bestimmten Kategorien. Das war die Geburtsstunde der Inspektoren, wie es sie heute noch gibt. Denn ein fest von den Gebrüdern Michelin angestelltes Team besuchte fortan anonym die Restaurants und gab Bewertungen ab. Die ersten Sterne wurden 1926 verliehen. Maximal ein Stern wurde damals vergeben - zwischen 1931 und 1933 wurde das Bewertungssystem auf bis zu drei Sterne erweitert.

Der Michelin-Stern wird international

Nach dem Erfolg in Frankreich weitete sich der Michelin-Führer auf andere Länder aus, und der Stern wurde zu einem weltweit anerkannten Symbol für kulinarische Exzellenz.

Modernisierung und Anpassung des Michelin-Sterns

In den vergangenen Jahren hat sich der Michelin-Führer den modernen kulinarischen Trends angepasst. Die Kategorien öffnen sich, um verschiedene gastronomische Erfahrungen zu würdigen, von Streetfood bis zu innovativen Konzepten. Trotzdem bleibt der Michelin-Stern ein begehrtes Symbol für höchste Kochkunst und ist eine Auszeichnung, die für hervorragende Küche vergeben wird.

Fazit: Ein Stern, der die kulinarische Welt erhellt

Die Geschichte des Michelin-Sterns ist eine, die von den Landstraßen Frankreichs zu den Metropolen der Welt führt. Von einem Marketingtrick zu einer prestigeträchtigen Auszeichnung hat der Michelin-Stern die Welt der Gastronomie geprägt und bleibt ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der kulinarischen Exzellenz.
Der Michelin-Stern ist nicht nur eine Belohnung für erstklassige Küche, sondern auch ein Fenster in die sich wandelnde Landschaft der Gastronomie, die ständig von Innovationen und Leidenschaft geprägt ist.

Zahlen & Fakten

  • Der Guide Michelin erscheint in mehr als 41 Ländern weltweit.
  • In Deutschland wurde die ersten Sterne 1966 verliehen.
  • Die strengen Bewertungskriterien sind für alle Länder, in denen der Guide erscheint, einheitlich. Geurteilt wird nach einem seit Jahren festen, an objektiven Maßstäben ausgerichteten, Bewertungssystem.
  • Michelin zeichnet die Küche aus, nicht den Küchenchef. Verlässt der Küchenchef das Restaurant, behält nicht er den Stern, sondern die Küche.
  • 2023 wurden in Deutschland 334 Restaurants ausgezeichnet – so viele wie noch nie.   
  • Als offizieller Partner des Guide MICHELIN hat METRO auch in diesem Jahr die Übergaben der begehrten Plaketten übernommen.
Quelle

Das Michelin-Männchen - pummeliges weißes Maskottchen

  • Seit 1898 ist das Michelin- Männchen das Gesicht der Marke Michelin.
  • Sein Name ist Bibendum (oder kurz Bib).
  • In den Michelin Guides ist sogar eine Kategorie für Restaurants mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis nach ihm benannt, der Bib Gourmand.
  • Reifen wurden bis 1912 nicht schwarz gefärbt, daher ist das Bibendum weiß. Erst später wurde der Gummimischung Kohlenstoff als Konservierungs- und Verstärkungsmittel beigemischt.
Quelle: Guide Michelin

Vom Reifenhersteller zur Sternegastronomie: der Michelin-Stern

Mehr Zahlen und Fakten

  • Es gibt ein fest angestelltes anonym arbeitendes Michelin-Team, das die Adressen auswählt und testet. Sie werden Inspektoren genannt. 
  • Die Inspektoren verfügen über Ausbildung und Erfahrung in der internationalen Spitzengastronomie und -hotellerie und erfahren zusätzlich eine spezielle Ausbildung bei Michelin.
  • Die Michelin Inspektoren reservieren unter einem Decknamen und bestellen, essen und bezahlen ihre Mittag- oder Abendessen wie jeder andere Kunde auch.
  • Seit 2020 gibt es einen grünen Stern für besonders nachhaltig arbeitende Restaurants
  • Restaurants, die zwar keinen Stern erhalten, aber aus Sicht der Inspektoren trotzdem empfehlenswert sind, erhalten Tellersymbole („Assiette“).

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