eCommerce? Superspannend!"

Von China zur Full-Service-Agentur hin zu METRO MARKETS. Durch ihren ungewöhnlichen Lebenslauf entdeckt Astrid Stegmann ihre Leidenschaft für Struktur, Planung und Herausforderungen. Sie beweist: die Kunst des Übersetzens findet nicht nur auf sprachlicher Ebene statt, sondern auch bei Unternehmensprozessen und Produktstrategien.

Astrid Stegmann METRO MARKETS
Astrid Stegmann, Product Lead bei METRO MARKETS, jongliert zwischen Kundenbedürfnissen und Produktentwicklung. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihren ungewöhnlichen Lebenslauf.
e-Commerce  - das Einkaufen im Internet

Worum geht´s?

  • Vom Chinesisch-Studium zum Produktmanagement bei METRO MARKETS
  • Vom Projekt- zum Produktmanagement
  • Kein zweites Amazon
  • Gut zu wissen
  • METRO MARKETS in Kürze
METRO MARKETS - Workshop Ergebnisse

👉 Über ... Astrid Stegmann 

China ist für sie ein „Wahnsinnsland“ – als studierte Übersetzerin hat Astrid Stegmann dort ein halbes Jahr gelebt. Smalltalk, Schilder lesen und Essen bestellen – kein Problem, obwohl sie vom gefühlten unendlichen Alphabet nur ein Bruchteil der Schriftzeichen gelernt hat. Vom Business-Talk lässt sie daher doch lieber die Finger. Ihr ungewöhnlicher Lebenslauf hat sie bis zum Product Lead bei METRO MARKETS geführt. Hier leitet sie ein Team von vier Mitarbeitenden. Regelmäßig schaut sie den Entwicklerteams auf Mallorca über die Schulter und vollzieht den Spagat, dass am Ende die Ansprüche des Verkäufers und Käufers erfüllt und alle zufrieden sind - nicht nur mit dem Produkt, sondern auch von der Customer Journey. Das Reisen in ferne Länder ist für sie immer noch ein fantastischer Ausgleich zum herausfordernden Job und der schnelllebigen Branche.


MPULSE: Astrid, du bist studierte Übersetzerin für Chinesisch und Englisch. Nicht gerade eine leichte Kombination – Chinesisch gilt als eine der schwierigsten Sprachen der Welt. Wie kamst du auf die Idee?

Astrid: Ich reise gerne – das wurde mir immer schon ermöglicht, schon als Kind mit meinen Eltern. Ich möchte mich in der Welt zurechtfinden. Sprachen sind für mich der Schlüssel dazu. Und Englisch und Französisch kann jeder! (lacht) Also wurde es Chinesisch und Englisch. Wobei sich Englisch dann als die schwierigere Sprache herausstellte.

Wieso das?

Weil die Anforderungen höher sind. Wenn man etwa Azurblau mit Himmelblau oder nur blau übersetzt, kann das schon ein gravierender Übersetzungsfehler sein. Andersrum, was man nicht unbedingt weiß: Die chinesische Grammatik ist sehr minimalistisch und damit sehr einfach. Dafür gibt es gefühlt unzählige Schriftzeichen. Um einen Zeitungsartikel lesen zu können, muss man mindestens 2500 Zeichen können. Ein hoher Lernaufwand.

Letztlich hast du nach dem Studium nicht den Weg als Übersetzerin eingeschlagen, warum?

Um Chinesisch zu sprechen, dass für den beruflichen Kontext reicht, muss man schon drei bis fünf Jahre im Land bleiben. Ich wollte das damals nicht. Das muss man auch erst mal finanzieren können. Ich wollte ins Berufsleben starten und fand einen Einstiegsjob in einer Full-Service-Agentur. Außer, dass ich für einen Baumaschinen-Kunden auch hin und wieder Anzeigen auf Chinesisch korrigierte und lektorierte, hatte der Job nicht mehr viel mit meinem Studium zu tun. So kam ich nach und nach zum Projektmanagement.

Im Projektmanagement geht es primär um Zeit und Kosten für den Kunden.

Astrid Stegmann, Product Lead bei METRO MARKETS

Wenn du Abwechslung und Herausforderungen liebst, liegt das Projektmanagement ja fast auf der Hand, oder?

Ja, als Projektmanagerin sind sorgfältige Planung, Koordinierung und Steuerung der Vorhaben und Projekte gefragt. Man muss den Überblick über das gesamte Projekt haben und eben auch für unvorhersehbare Ereignisse gewappnet sein. Meine Position lag damals zwischen Vertrieb und Entwicklern. Vom Vertrieb war schon geklärt, was an den Kunden geliefert werden muss. Das musste ich verstehen und begreifen, um dann die Arbeitspakete für die Entwickler schnüren zu können, was den Zeitplan betrifft und auf Seiten des Kunden die Kalkulation hinzubegleiten. Denn im Projektmanagement geht es primär um Zeit und Kosten für den Kunden.

Was hat dich dann zu METRO MARKETS geführt?

Genaugenommen hat METRO MARKETS mich gefunden. Ich hatte mich damals, 2018, gar nicht beworben, sondern wurde von einem Recruiter angesprochen. METRO war mir ein Begriff, ich fand das Angebot attraktiv.

Inwiefern?

Es war damals ein junges Unternehmen. Ein Startup. Mit einer Vision. Das Ziel: einen Marktplatz des B2B-Handels zu gestalten. Alles war neu, alles musste von Grund auf neu gedacht werden, etwa: „Können wir die traditionelle Produktkategorisierung von METRO für den Onlinehandel übernehmen? Müssen wir anders denken? Was will eigentlich ein Kunde online? Was müssen wir ihm bieten?“ Der End-to-End Prozess gefiel mir. Hier steht der Kunde an erster Stelle - aus dieser Sicht wird ein Ablauf betrachtet und getestet. Sämtliche zeitlich-logisch aufeinanderfolgenden Aktivitäten werden durchdacht, die zur Realisierung des Kundenbedarfs notwendig sind. Das ist sehr komplex aber unheimlich spannend.

METRO MARKETS in Zahlen

  • Aktiv in 6 Ländern – 2018 bis jetzt 2024
  • 62 Nationalitäten
  • 43 Prozent Frauen, 57 Prozent Männer
  • 512 Mitarbeitende
  • 27 Product Teams
  • Auf Mallorca gibt es ein Office mit über 110 Mitarbeitenden
  • Es gibt den METRO Marktplatz (hier ist METRO nur einer von vielen Sellern) und das ERP (das ist alles, was METRO als Seller macht, eigene Lieferantenverträge, die ganze Supplychain für die METRO MARKETS Lagersysteme etc.)

Und wie hast du dann den Schritt vom Projektmanagement ins Produktmanagement gemeistert?

Grundsätzlich liegt das nicht weit voneinander entfernt. Als Produktmanagerin ist man ebenfalls zuständig für die Planung und Entwicklung einzelner Produkte oder Dienstleistungen. Ein entscheidender Unterschied ist, dass man hier keine Deadlines hinsichtlich des Projektabschlusses hat und auch kein sauber definiertes Ziel. Es geht um kontinuierliche Verbesserung. Ich bewege mich vom Minimum Valuable Product (MVP), also der ersten funktionsfähigen Version eines Produkts, die bereits einen ersten Mehrwert bietet, immer weiter. So kann die erste Iteration noch sehr manuell sein, während man sich mit jedem weiteren Release Richtung Automatisierung bewegt.
Hinzu kommt die strategische Ausrichtung der Produkte, in Abstimmung mit den Unternehmenszielen, und man ist ebenfalls Bindeglied zwischen mehreren Abteilungen im Unternehmen und muss alle Aspekte möglichst so unter einen Hut bringen, dass das Produkt am Ende den maximalen Wert für den Nutzer liefert – und überhaupt seinen Weg zum Nutzer findet.

Mittlerweile ist METRO MARKETS kein Startup mehr. Was ist anders geworden?

METRO MARKETS ist jetzt knapp sechs Jahre alt. Anfangs waren wir knapp 40 Leute mit viel externer Unterstützung. Irgendwann sind monatlich 15 bis 20 neue Mitarbeitende hinzugekommen – heute sind wir mehr als 500 Kollegen! Jetzt sind wir Corporate, und ja, das heißt vielleicht mehr Prozesse, mehr Strukturen und mehr Zwischenschritte. Aber den Spirit eines Startups haben wir immer noch: Wir teilen unser Wissen, wir probieren uns aus. Wir überlegen, welche Technik bringt uns weiter, wer kennt welche Hacks für welche Sachen. Wir haben den Mut, viel auszuprobieren und gegebenenfalls auch damit zu scheitern. Und wir wollen persönlich bleiben: Es gibt einen People Newsletter, der die neuen Mitglieder vorstellt, mit Foto und kleinem Streckbrief. Sowas halt.

Ein Kollege sagte mal zu mir, „Astrid, wenn du eins hast, dann einen Plan.

Astrid Stegmann, Product Lead bei METRO MARKETS

Würdest du sagen, du bist ein Organisationstalent?

(lacht) Ich liebe es, zu strukturieren und einen klaren Fokus zu haben. Eine wichtige Eigenschaft in meinem Job: vorausschauen und antizipieren. Wenn etwas nicht funktioniert, in die andere Richtung denken. Ein Kollege sagte mal zu mir, „Astrid, wenn du eins hast, dann einen Plan“. Das hat übrigens auch in China viel Spaß gemacht: Du stehst irgendwo, kommst nicht weiter, musst aber mit Händen und Füßen aus der Situation rauskommen oder das Problem beheben. Du musst einen Weg finden. Genau diese Eigenschaft braucht man als Produktmanagerin.

Wir als METRO Marktplatz sind schließlich nicht einfach ein zweites Amazon!

Astrid Stegmann, Product Lead at METRO MARKETS
Hand, die ein Handy hält, auf dem die METRO.de Website geöffnet ist

Profibedarf im Fokus

Der METRO Online-Markplatz bietet HoReCa-Kunden ein effizientes Einkaufserlebnis.

Was entgegnest du, wenn es heißt, “METRO Markets ist doch nur der Onlineshop der METRO“?

Das sind wir ganz und gar nicht. Viele verstehen das Konzept des Online-Marktplatzes noch nicht und sehen nicht, was alles dahintersteckt. Natürlich organisieren wir auch den Online-Vertrieb für die METRO, jedoch bieten wir vor allen Dingen die Struktur, um zahlreiche Händler in Kontakt mit Kunden zu bringen. Der Kunde kann aus zahlreichen Angeboten das für sich beste wählen – sei es von der METRO oder das eines Händlers. Doch es steckt noch viel mehr dahinter.

Mit einem Teil meiner Teams entwickeln wir zum Beispiel das System, in dem unsere Kollegen vom Produktdatenmanagement arbeiten. Das System, in das auch die Seller ihre Daten hochladen. Wir konsolidieren die Daten, die auf dem Marktplatz angezeigt werden und entwickeln die Logik dahinter: welche Daten sind die besten oder was benötigt der Kunde überhaupt? Es gibt drei Teams, die jeweils die verschiedenen Bereiche übernehmen, damit wir am Ende mit einem PIM-System arbeiten, das das Produktdatenteam entlastet. Ein weiteres Team kümmert sich um das System zur Accountverwaltung eines Sellers und um die Entwicklung der Angebots- und Preislogik.

Man sieht: Es geht weit über ein herkömmliches Shopsystem hinaus. Was wir immer im Blick halten, ist die Frage: Was bedeutet Wholesale? Was bedeutet HoReca? Und damit einhergehend: Welche Produkte nehmen wir auf? Wir als METRO Marktplatz sind schließlich nicht einfach ein zweites Amazon!

Du bist von METRO MARKETS rekrutiert worden, aber würdest du dich, rückblickend, nochmal für das Unternehmen entscheiden?


Absolut. Und ich bin noch da (grinst). Ich lerne jeden Tag dazu und habe ein ganz tolles Team um mich rum, wir haben einen klasse Zusammenhalt und kommunizieren auf Augenhöhe. Und, für mich ist wichtig, dass ich für das brenne, was ich mache. Und das ist der Austausch, die Problemlösungsfindung, diese Art Schnittstellenfunktion zwischen den Entwicklern und anderen Abteilungen. Es ist die Kommunikation.

Womit wir wieder beim Übersetzer-Dasein sind …

Richtig. Letztlich ist es das Übersetzen von einer Sprache in die andere. Ich würde behaupten, ich mache nichts anderes den ganzen Tag – nur zwischen Business und Tech und nicht mehr zwischen Deutsch und Chinesisch oder Englisch.

Was heißt eCommerce?

Verkauft ein Anbieter über das Internet seine Waren oder Dienstleistungen, spricht man von einem Onlineshop oder auch von eCommerce.

Was ist ein Marketplace?

Auf einem Marketplace tummeln sich mehrere Händler bzw. Anbieter, die ihre Produkte vertreiben. Ähnlich wie in einem realen Einkaufszentrum, wo der Kunde Angebot und Qualität zum Beispiel von einem Produkt aber verschiedenen Anbietern vergleichen kann. Ein B2B Marketplace wäre vergleichbar mit einer Industrie- oder Fachmesse, die Unternehmen verschiedener Branchen und Größen miteinander verbindet. Ein C2C Marketplace ist vergleichbar mit einem Flohmarkt oder einer Tauschbörse. Folglich ist ein Marketplace eine Zusammenfassung von mehreren Online-Shops. Dieses Konzept wird daher auch als “Multi Vendor Marketplace” oder “Peer-to-Peer-Marketplace” bezeichnet.

Was macht ein Produktmanager / Product Manager (PM)

Ein Produktmanager ist für die Strategie eines Produktes verantwortlich und verfolgt diese stets mit dem Blick auf die übergreifenden Geschäftziele. Ein Produkt kann hierbei in der Größe variieren und tatsächlich auch "nur" ein Teilprodukt sein, wie zum Beispiel der Warenkorb eines Marktplatzes - dieser alleine deckt schon zahlreiche wertschöpfende Prozesse ab.
Der PM verantwortet die Planung, Entwicklung und Umsetzung dieses Produkts gemeinsam mit seinem multidisziplinären Team (in der Regel Entwickler und UX-Design sowie Data Science oder Analysts). Zu seinen Aufgaben gehören zudem nicht nur Anforderungsanalyse, Testen sowie die Koordination im Team, sondern vor allem auch die Abstimmung mit Stakeholdern aus diversen Disziplinen.

Wie funktioniert ein PIM-System?

In einem PIM-System werden Daten zentralisiert. D.h. Zunächst werden Produktdaten aus verschiedenen Datenquellen wie zum Beispiel Excel-Dateien, ERP-Systemen oder CRM-Systemen eingesammelt. Im System angelegt, werden die Produkte in einer medienneutralen Struktur organisiert und mit weiteren Informationen wie beschreibenden Texten und Medien (zum Beispiel Bilder, Videos) veredelt. Die Qualität der Daten ist in dieser Stufe entscheidend. Nur durch eine Datenvalidierung lassen sich Mindestanforderungen an die Produktbeschreibung einhalten. So gelangen keine Falschinformationen zum Kunden. Dann können die Daten verteilt werden in die verschiedensten Marketingkanäle von Onlineshop, elektronischem Katalog, Print-Werbemittel, App bis hin zu Social Commerce (Social Media).

John Bettiol mit Zauberhut

„Es geht ums Vertrauen“

Bei METRO MARKETS arbeiten Menschen aus 36 Nationen. Sie teilen mehr als ein gemeinsames Ziel.

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