Menschen Bewegen

Eine Krise, zwei Fronten: Wenn man über Nacht zum Lieferanten und Onlinehändler wird

Das Askitis in Düsseldorf gibt es seit 20 Jahren – eine Institution in Düsseldorf. Nun fallen aktuell aufgrund der Coronakrise bis zu 80% Umsatzeinbußen an. Arthur Fuchs und seine Partner Erkan und Samet Karakaya müssen umdenken, um in der Krise weiterzubestehen. Außerdem gibt es noch die lokale Spezialitätenrösterei, das Schvarz Kaffee. Muss hier das Konzept neu gedacht werden? Ein Gespräch mit Arthur Fuchs über beide Locations.

Herr Fuchs, wie ist die Lage aktuell in Ihrem Restaurant Askitis?

Vor der Krise hatten wir im Askitis 15 bis 20 Mitarbeiter. Jetzt sind die meisten in Kurzarbeit und wir drei Eigentümer versuchen den Betrieb aufrechtzuerhalten. Es fällt ja grade leider nicht viel Arbeit an, deswegen schaffen wir das auch zu dritt. Die Familie hilft mit, wo sie kann. Das Jahr war zum Glück bis jetzt gut, wir konnten sehr gut wirtschaften. Ab April wird es dann schwierig, da wissen wir nicht, wie es genau weitergeht.

Sie haben viele Stammgäste, wie reagieren diese auf die aktuelle Situation?

Unsere Stammgäste sind sehr besorgt, da ist fast so eine Art „Patriotismus“ zu spüren. Generell habe ich das Gefühl, die Menschen halten mehr zusammen. Zum ersten Mal merkt man die Menschen brauchen das Lokale, das Besondere. Ich kann mich erinnern, vor circa zehn Jahren waren Restaurantketten noch angesagter. Das hat sich geändert und die Leute fragen: Hey, was gibt es in meiner Nachbarschaft? Ich denke, das liegt daran, dass im Endeffekt ein gutes Restaurant in der Nachbarschaft eine Bereicherung für jeden von uns ist. Das wissen die Leute bei uns in der Umgebung zu schätzen.

Viele unserer Gerichte sind zum größten Teil sehr gute Mitnahmeartikel. Die, die sich nicht eignen, wie zum Beispiel frischer Fisch oder irgendwelche Gerichte die pampig werden, haben wir einfach von der Karte genommen.

Arthur Fuchs

Wie gestaltet sich jetzt der Restaurant Betrieb konkret in der aktuellen Lage? Liefern Sie?

Wir haben den Vorteil in einem dicht besiedelten Wohngebiet zu sein, sodass wir die Leute relativ schnell mit Flyern erreichen konnten. Erst hatten wir nur einen Abholservice, jetzt beliefern wir auch von Montag bis Sonntag in der Zeit zwischen 15 – 22 Uhr. Wir fahren selbst, auf Anfrage auch in weiter entfernte Stadtteile, dann aber mit Mindestbestellwert. Viele unserer Gerichte sind zum größten Teil sehr gute Mitnahmeartikel. Die, die sich nicht eignen, wie zum Beispiel frischer Fisch oder irgendwelche Gerichte die pampig werden, haben wir einfach von der Karte genommen.

Und wie gestaltet es sich im Schvarz Kaffee und der Rösterei?

Auch hier haben wir aufgrund der aktuellen Lage nur die Hälfte an Mitarbeitern eingespannt, weil wir viel weniger rösten und der ganze Schulungs- und Cateringbereich weggefallen ist. Da wir uns außerdem stark auf die Belieferung von Gastronomen und Büros spezialisiert hatten sind uns erst mal 95% der Stammkunden weggefallen. Dafür gab es auf einmal einen riesigen Zuwachs an Privatkunden, die bestellen.

Weil nun alle im Homeoffice sind?

Ja, das Homeoffice spielt uns tatsächlich in die Karten. Die Leute wollen auch zu Hause weiterhin guten Kaffee trinken. In den letzten zwei Wochen hatten wir einen Zuwachs von 500 Prozent. Dennoch haben wir Umsatzeinbußen, da Privatkunden natürlich nicht dieselben Mengen Kaffee bestellen wie beispielsweise ein Gastronom. Auf jeden Fall hat sich unser Konzept komplett geändert. Auf einmal sind wir ein Onlineshop-Betreiber und beliefern die Kunden überwiegend selbst.

Jede Krise bietet eine Chance und so sehe ich das jetzt auch erst mal.

Arthur Fuchs

Wie meistern Sie diese abrupte Umstellung?

Wir sind schon seit vier Jahren an dem Thema Online Shop dran und konnten ein funktionierendes System für den Shop aufstellen. Aber jeder Röster beziehungsweise Betrieb, der jetzt grade erst mit einem Onlineshop anfängt oder versucht aufgrund der aktuellen Lage plötzlich umzustellen, der wird so kurzfristig möglicherweise Probleme haben.


Könnte man sagen, durch die Coronakrise hat sich fürs Café ein neuer Geschäftszweig aufgetan?

Definitiv. Jede Krise bietet eine Chance und so sehe ich das jetzt auch erst mal. Der Onlineshop und der Lieferservice werden sehr, sehr gut angenommen, sodass wir wirklich überlegen in Zukunft dann zumindest am Wochenende an unsere Privatkunden auszuliefern und unter der Woche weiter Büros und Gastronomie. Wir können uns gut vorstellen, dass das noch ein kleines Standbein sein könnte.

 

 

 

Viele Fragen, viel Hoffnung - Danny Derbe trägt Verantwortung für 20 Mitarbeiter. Er hofft, dass Gäste wie Mitarbeiter nach der Krise wiederkommen

Danny Derbe betreibt das Gasthaus Zum Bierseidel sowie zwei weitere Lokale – ein Restaurant und eine Kneipe – in Berlin. Er trägt Verantwortung für 20 Mitarbeiter. Im Zuge von Corona hat Derbe mittlerweile alle drei Gastronomien geschlossen.

Leere Gläser auf dem Tisch

Weinprobe virtuell: Corona-konform – und trotzdem gesellig

Mehr als 800 Weine aus aller Welt, Feinkost, Whisky und Spirituosen umfasst das Sortiment von „Wein Kusch“ in Hildesheim und Braunschweig. Als Getränke- und Lebensmittelhändler darf Inhaber Axel Kusch seine beiden Läden zwar trotz Corona weiter öffnen. Doch 80 Prozent der Kunden bleiben fern. Der Weinhändler hat sich deshalb jetzt eine besondere Aktion überlegt.

Buchkantine Fridolin

"Unsere Branche ist nicht krisenfest" - Gastronom Taudtmann über die Auswirkungen der Corona-Krise

Aktuell ist die Buchkantine von Fridolin Taudtmann noch Buchhandlung, der Gastronomiebetrieb wurde bis auf Weiteres eingestellt. Wir haben mit ihm über die Auswirkungen der Corona-Krise auf sein Geschäft und die Gastronomiebranche gesprochen.


Auch Interessant